Freitag, 19. Juni 2015

Schottland 2014 - Tag 18-20

30.09. - 02.10.2014

Unser letzter Tag in Schottland brach an und nach einem leckeren Frühstück im Broomfield House suchten wir noch einen größeren Supermarkt, um uns mit ein paar Mitbringseln einzudecken.

Auf dem Weg zur nächstgrößeren Stadt hielten wir jedoch zuerst noch bei einer Sehenswürdigkeit, die auf der Strecke lag: Melrose Abbey.






Wir streiften ein wenig über das Gelände, außer uns waren kaum noch andere Besucher anwesend.


Und dann passierte das, was natürlich doof ist, wenn man weit und breit keinen Zugang mehr zu einer Steckdose hat: Der Akku unseres Fotoapparates war leer und wir hatten auch vergessen, den Ersatzakku aufzuladen.




Somit war das hier das letzte Bild:


Aber das war nicht weiter schlimm, danach ging es ohnehin nur zum Supermarkt nach Melrose in dem wir uns mit schottischen und britischen Lebensmitteln, Bier- und Ciderflaschen eindeckten. Ebenfalls in den Einkaufswagen wanderte unser Abendessen, denn wir waren fest entschlossen, nicht wieder Unsummen für ein labbriges Sandwich auf der Fähre auszugeben.

Die Überfahrt verlief wieder problemlos, die Nordsee war ruhig und ließ uns schlafen. Und nach einem ganz ordentlichen Frühstück saßen wir später in unserem Auto und warteten darauf, dass wir ausfahren durften.
Die ganze Reise über hatten wir ja immer im Hinterkopf, welche Startschwierigkeiten wir zu Beginn des Urlaubs hatten. Den Starthilfepack, den wir in Stirling gekauft hatten, fuhren wir dann aber unbenutzt die ganze Zeit mit uns Spazieren, das Auto ist jeden Tag klaglos angesprungen und wir dachten wirklich, dass es einfach nur die Heckklappe war, die in der Nacht vor unserer Abfahrt nicht richtig geschlossen war und deshalb für die leere Batterie gesorgt hat.

Dann jedoch ... die Ausfahrt der Fähre wird freigegeben, die Wagen vor uns starten und rollen los und bei uns ... NICHTS!
Der größte Albtraum aller Zeiten, Puls auf 180. Hinter uns ein Hupkonzert, zwei Matrosen kamen angerannt, regelten den Verkehr, kümmerten sich darum, erst einmal alle, die in der Reihe hinter uns standen, an uns vorbeizuleiten. Die bösen Blicke, wir versanken fast in unseren Sitzen.
Dann durften wir, leicht angeschubst von den Matrosen, die Rampe nach unten rollen und wurden zur Seite geschoben. Gleich kam ein weiterer Angestellter der Fähre auf uns zu und wollte uns mit einem Starthilfepack fremdstarten, doch mein Mann war da schon längst ausgestiegen und hat unser eigenes Pack vom Rücksitz geholt. Wenn wir das verdammte Ding schon selbst gekauft hatten, wollten wir es wenigstens ein einziges Mal auch verwenden!

Mit der Starthilfe sprang unser Auto dann sofort an und wir verließen Ilmuijden in Richtung Süden. Was wir bei der Planung unserer Reise jedoch nicht bedacht hatten, war die Tatsache, dass wir am 2. Oktober heimfahren würden. Der 3. Oktober ist ja ein Feiertag und im Jahr 2014 fiel dieser auf einen Freitag, sodass viele das lange Wochenende für einen Kurzurlaub nutzten. Nicht nur viele, sondern SEHR viele! Dementsprechend voll waren die Autobahnen und wir mittendrin. :rolleyes:


Erst nach unzähligen Stunden mit Stau, stop and go sowie einer Vollsperrung (eigentlich auf der gegenüber liegenden Autobahn, aber die Gaffer auf unserer Seite musste ja uuuuunbedingt den Massenunfall anstarren) kamen wir erst am Abend zu Hause an.

Wir witzelten noch darüber, dass wir jetzt noch zwei Kilometer im Kreis fahren, damit es exakt 4000 Kilometer werden. Runden wir halt gedanklich auf. ;-)




Hier noch unsere "Beute" für unser Whiskyregal, das wir wohl bald noch einmal ausbauen müssen, um die Schätze zu fassen - oder wir müssen mehr Whisky trinken.

Slainthe Mhath!








Resümee:
Natürlich war es schön. Wunderschön und zauberhaft!
Schottland ist und bleibt einzigartig für mich und immer noch ist die Sehnsucht groß, wenn ich nicht dort bin.

Aber Schottland verändert sich. Wird "Touristenhafter". Habe ich in Cornwall noch gemeckert, dass jeder Parkplatz vor den Sehenswürdigkeiten Gebühren kostet und dies in Schottland nicht der Fall sei, rüstet man inzwischen auf und kassiert ab.
Es gibt sie natürlich noch, die menschenleeren Ecken aber die werden weniger während die Touristenanzahl steigt.

Durch den Erfolg der TV-Serie "Outlander" wird das wohl noch mehr werden, eine Entwicklung, die ich nicht unbedingt gerne sehe. Aber ich verstehe natürlich, dass die Schotten auf diese sprudelnde Geldquelle nicht verzichten können.


Mal sehen, wann wir das nächste Mal nach Schottland kommen. Gedanklich plane ich natürlich schon wieder. Vielleicht wieder in den ganz hohen Norden. Die Orkneys, die äußeren Hebriden, Mull und Islay. Die Inselns zu besuchen erfordert ja einen etwas höheren Aufwand, den viele Touristen, die eine Busrundfahrt buchen, vielleicht eher scheuen.
Vielleicht ändern wir auch mal unsere Reisezeit. Der Herbst war zwar bisher immer ideal für uns, aber mich würden auch mal andere Jahreszeiten interessieren. Schauen wir mal ...


Samstag, 13. Juni 2015

Schottland 2014 - Tag 17

30.09.2014

So langsam rief die Heimat wieder und von jetzt ab würden wir uns nur noch in Richtung Süden bewegen.

Doch auf dem Weg zu unserer letzten Übernachtung in den Schottischen Borders hielten wir zuerst einmal bei der Destille, die wir inzwischen schon zum dritten Mal angefahren hatten:



Bei unserem ersten Besuch waren wir ja so übersättigt von Destilleriebesuchen gewesen, dass wir auf die damals noch kostenlose Führung verzichtet hatten. Später bedauerten wir das und wollten das unbedingt nachholen. Bei unserem ersten Versuch, ein paar Tage zuvor, hatten wir ja mit dem Sonntag den einzigen Tag erwischt, an dem die angeblich kleineste Destillerie Schottlands geschlossen war. Dieses Mal war jedoch Dienstag und die Tore standen offen.

Allerdings hat sich inzwischen auch hier einiges geändert. Nicht nur, dass die Führung inzwischen ein paar Pfund kostet, der bisherige kleine aber feine Shop wurde in eine Bar mit Besucherwarteraum umgewandelt und der frühere Empfangsraum wurde zu einem großen, modernen Shop gleich am Eingang umgebaut. Die Zeichen der Zeit lassen sich nirgends aufhalten, aber in Edradour geht alles dennoch noch ein bisschen langsamer voran.





Auch die Führung unterscheidet sich ein klein wenig von einigen anderen Destillen. Hier darf man noch relativ ungezwungen über das Gelände streifen und nach Herzenslust knipsen.





Diese kleine Destillerie mit ihren weißen Häuschen und den roten Türen und Fenstern sieht aber auch wirklich allerliebst aus. Wie eine Puppenstubendestille. ;-)




Auch die Pot Stills sind in Edradour eher kleiner und alles wirkt noch ziemlich handgemacht.

Im Hintergrund ist der Spirit Safe zu sehen, der während wir dort standen und den Worten unserer Führerin lauschten, geputzt und poliert wurde. Dabei irritierte uns alle, dass der Angestellte den Safe auch öffnete und die Scheiben von innen putzte. Normalerweise ist der Safe nämlich fest verschlossen und sogar vom Zoll verplombt.









Als jemand sich schließlich erbarmte und danach fragte, lachten die Angestellten nur. Inzwischen könnte der Zoll schon allein an den Einkäufen der Rohstoffe errechnen, wie viel Whisky produziert würde. Da müsse nichts mehr verplombt werden. Dass viele Destillen den Mythos des heiligen Spirit Safes aufrecht erhalten, sei nichts anderes als Tradition.





Auch eine Tradition, mit der in Edradour gebrochen wird, ist das Betreten und Fotografieren in den Warehouses.

In manchen Destillen darf man die lagernden Whiskyfässer nur in einem abgedunkelten Vorraum durch eine Glasscheibe angucken.


Bei Edradour geht man während der Führung einfach mitten in die Lagerhalle und steht zwischen Fässern.
Der Geruch ist atemberaubend!

Wir schwebten quasi wie Engelchen durch die Reihen und genossen den Angels' Share ;-)



Beschwingt kauften wir natürlich noch ein paar Sonderabfüllungen und setzten unseren Weg fort in Richtung Süden. Nach dem hochfeudalen Cardhu Country House B&B sollte unsere letzte Übernachtung etwas einfacher ausfallen.
Dennoch können wir das Broomfield House in Earlston uneingeschränkt empfehlen!
Stuart, Sylvia and Tracey sind unglaublich herzliche und liebenswerte Gastgeber, die alles für ihre Gäste tun, was möglich ist. 

Wer also noch eine Übernachtungsmöglichkeit im Süden braucht, bevor es am nächsten Tag auf die Fähre in Newcastle geht, ist hier genau richtig.







Dienstag, 9. Juni 2015

Schottland 2014 - Tag 16

29.09.2014


Nach einem durchaus leckeren, frischen Frühstück lag ein wunderbarer Tag vor uns. Der Himmel war zwar noch ein wenig verhangen, aber er versprach später aufzureißen und die Sonne durchzulassen.

Nicht nur das Wetter sollte toll werden, wir hatten mal wieder einen Tag vor uns, der völlig planlos war und ließen uns einfach treiben. Zuerst einmal fuhren wir in Richtung Norden und bogen an einem braunen Schild einfach mal ab um Brodie Castle zu besichtigen.




Nach einer Schlossführung durch die Räumlichkeiten ...



... durchstreiften wir schließlich auch die Gärten und entdeckten wunderschön bepflanzte Beete.









Ein ganz nettes Schlösschen, aber jetzt nichts, was unbedingt in einer Reiseplanung beinhaltet sein muss. Aber wir verbrachten einen sehr netten Vormittag dort.



Zum Mittagessen besorgten wir uns in einer Markthalle (ähnlich der im Bruar House) einige Sandwich-Utensilien und suchten uns dann ein schönes Plätzchen. Der Zufall half uns mal wieder dabei, denn wir verließen nach Forres die A96 einfach in Richtung Küste und landeten an der Spitze der Findhorn Bay.



Dort auf der Bank am Straßenrand aßen wir unseren Lunch und sahen den kleinen Booten zu, die auf dem Wasser trieben.







Anschließend gingen wir noch ein wenig spazieren. Einmal die Straße entlang, quer durch den Ort bis zum Strand. War das herrlich!






Ein Nachmittag völlig nach meinem Geschmack. Möglichst wenige Menschen, unglaublich schöne Natur, angenehme Temperaturen, Sonnenschein mit leichter bis mittlerer Brise, Meer, der Geruch nach Salz ...

Mittwoch, 3. Juni 2015

Schottland 2014 - Tag 15


28.09.2014


Eigentlich hätten wir Newtonmore in Richtung Norden verlassen müssen, denn unsere nächste Station lag im Speyside-Gebiet.
Doch wir wollten unbedingt die Edradour Destillerie besichtigen und fuhren wir in Richtung Süden. Bereits bei unserer allerersten Schottlandreise waren wir bei dieser Destille und hatten den Fehler gemacht, die damals noch kostenlose Führung abzulehnen.

Nach unzähligen Meilen südwärts standen wir dann auf dem komplett leeren Parkplatz und stellten fest, dass die Destille zwar täglich geöffnet war - Sonntags jedoch nicht. *hrmpf*


Um nicht völlig ohne Destilleriebesuch wieder in Richtung Norden zu fahren, besuchten wir halt die zweite Destille in Pitlochry: Blair Athol

Die produzieren zwar auch viel Whisky, der in Blends verarbeitet wird, aber auch hier hat man erkannt, dass es die Fans von Single Malt gibt. Deshalb konnten wir unser obligatorisches Sonderabfüllungsfläschchen kaufen.

Auf dem Weg auf der A9 landeten wir schließlich in einem riesigen Einkaufsareal, dem "House of Bruar". Vielen kleine Shops mit Kleidung, Haushaltskrimskrams und netten Kleinigkeiten auch eine große Markthalle mit Feinkost und einem Restaurant. Dort aßen wir zu Mittag (Soup of the Day ;-)) und stöberten ein wenig in den Shops herum. Ich kaufte einen Hut, der preisreduziert war und mein Mann fand ein paar Köstlichkeiten als Mitbringsel für seine Eltern. Und ratzfatz waren ein paar Stunden vorbei also machten wir uns langsam mal wieder auf den Weg, um unsere nächste Übernachtungsstation zu finden.

Das "Cardhu Country House" war das letzte Hotel, das ich noch ganz kurz vor unserer Abreise gebucht habe, als wir feststellten, dass wir eine Lücke in unserer Planung hatten.
Es nennt sich Luxury Bed & Breadfast und das spiegelt sich vor allem im ziemlich hohen Preis nieder. Mit etwas mehr Zeit für die Planung hätte ich es wohl nicht gebucht.





Rein optisch machte es schon etwas her.

Etwas abseits vom kleinen Dorf Knockando, ganz in der Nähe der Destille Cardhu gelegen, mit einer separaten Auffahrt und einem Parkplatz auf dem nur Luxuskarossen standen (unsere C-Klasse war da die unterste Liga).




Das Haus selbst lag in einem von einer Steinmauer begrenzten Grundstück mit diversen Nebengebäuden, in den früher sicher einmal die Angestellten gelebt hatten.





Rings um das Grundstück waren auf drei Seiten nur Felder und Wiesen, auf der vierten Seite äußerst ruhige Nachbarn.

Ein richtig schöner alter Friedhof mit verwitterten, uralten Grabsteinen.
Die kleine Kapelle war eher neueren Datums und sie war verschlossen.





Auch die Zimmer machten ordentlich etwas her. Man hätte sich also richtig wohl fühlen können, wenn der Hausherr nicht ein eher stoffeligmürrischer Gastgeber gewesen wäre, der uns nur wortkarg die Schlüssel in die Hand drückte.


Aber auch das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wir haben ja ohnehin recht selten Lust auf großen Smalltalk. Nicht so toll war aber, dass es mit der Sauberkeit arg haperte. Staub überall, die Dekokissen auf dem Bett muffelten fürchterlich, das Bad war leicht angeschimmelt und als Krönung prangte auf meiner Bettdecke ein großer Blutfleck. Also nicht auf dem Bettbezug, der war wohl frisch gewaschen, sondern auf dem Inlett.
Ich überlegte ernsthaft, mit der Decke wieder nach unten zu gehen und um eine andere Decke zu bitten. Aber als ich den Fleck entdeckte, steckte ich schon im Nachthemd. Extra nochmal anziehen und jemanden vom Haus ausfindig machen, um ein unangenehmes Reklamationsgespräch zu führen? Nööö, da hatte ich echt keine Lust darauf.

Also drehte ich die Decke so, dass der Fleck nach außen zeigte. Und so ließ ich die Decke auch am nächsten Tag liegen, als wir unterwegs waren. Ich ging fest davon aus, dass - wer auch immer das Zimmer reinigte - diesen Fleck auf jeden Fall bemerken und beseitigen würde. Tja, falsch gedacht.
Zuerst freute ich mich, weil wirklich nichts mehr zu sehen war. Die Decke war wieder festgesteckt, wie auf dem Bild zu sehen. Als ich das Bett jedoch am Abend aufschlug, prangte mir der Fleck wieder entgegen. Hat da doch tatsächlich die Reinigungskraft einfach die Decke wieder umgedreht. *kopfschüttel*

Ja, ich weiß, ich hätte spätestens in diesem Moment reklamieren sollen. Aber ich dachte mir nur meinen Teil und drehte die Decke wieder so, dass ich unter der sauberen Seite lag. Ich bin ein Schäfchen, ich weiß. *schäm*