Samstag, 30. Mai 2015

Schottland 2014 - Tag 14

27.09.2014

An einem etwas kühleren, leicht regnerischen Tag packten wir unsere Siebensachen wieder ins Auto und verließen die Isle of Skye, um zurück in die Highlands zu fahren.
Geplant war an diesem Tag eigentlich nichts, aber die Erfahrung hat ja gezeigt, dass diese Tage oft die schönsten Überraschungen bringen.



Zunächst einmal eine nette Begegnung auf einem Parkplatz am Wegesrand mit einem norddeutschen Paar, das mit einem Wohnmobil unterwegs war.
Die zwei kamen auch von Skye, waren aber davor auf den äußeren Hebriden gewesen und saßen während der Sturmtage dort fest, weil die Fähre nicht mehr übersetzen konnte. Mit einem Wohnmobil ist das ja kein Problem.
Sie schwärmten in den höchsten Tönen von Lewis, Harris, Uist und Barra, weil Schottland dort noch so richtig schottisch wäre. Und auch sie hatten festgestellt, dass Skye in diesem Jahr einen enormen Touristenanstieg zu verzeichnen gehabt hätte, was ihnen ebensowenig gefallen hat wie uns.

Was uns jedoch positiv gestimmt hat, war ihre Ankündigung, dass es in den Highlands in diesem Jahr weitaus ruhiger zugehen würde. Wir konnten das zwar zuerst nicht glauben, aber es traf zu. Nach einem netten Gespräch trennten sich unsere Wege wieder, ich weiß nicht einmal den Namen der zwei aber das waren deutsche Touristen, denen ich gerne begegnet bin - das ist ja leider nicht allzu häufig der Fall.



Als dann so langsam die Mittagszeit näher rückte, kauften wir uns in einem kleinen Supermarkt in Spean Bridge ein paar Leckereien für ein Picknick und suchten uns danach ein schönes Plätzchen dafür. Erst wollten wir schon irgendwo am Straßenrand halten, doch dann entdeckten wir ein braunes Schild und kurzentschlossen bog mein Mann links ab.

Über eine meilenlange Single-Track-Road landeten wir auf einem Parkplatz mit Aussicht, auf dem sich gerade einige Mitglieder einer englischen Landpartie in ihren Protzkarossen aufhielten. Kurz nach unserem Eintreffen brachen diese jedoch auf und nachdem Lamborghini, Bentley und Ferrari ihren Trip durch das Tal fortgesetzt hatten, standen wir plötzlich ganz allein auf dem  Glen Roy Parkplatz und genossen absolute Stille und einen grandiosen Ausblick.


Glen Roy
Das Tal hat eine interessante, eiszeitliche Geschichte, die man am besten hier mal kurz nachliest: http://de.wikipedia.org/wiki/Glen_Roy



Nachdem wir uns gestärkt hatten, setzten wir unseren Weg fort. Bevor wir allerdings unser nächstes Hotel ansteuerten schlugen wir einen kleinen Haken, um eine Destille zu besuchen, die schon lange auf meiner Wunschliste stand: Die Dalwhinnie Destillery


Dalwhinnie Destillery


Dalwhinnie Destillery


Diese Destille wollte ich nicht nur besuchen, weil ich den Whisky recht gerne mag (ein leichter "Mädchenwhisky", fruchtig süß, schmeckt nach Vanille und Honig) sondern auch, weil ich natürlich die beiden Destillen besuchen wollte, die als Namensgeber für meine Katzen fungiert haben.

Zum Vergleich ;-)

Dalwhinnie Distillery - Winnie
Tobermory Distillery - Mory



Nach der Führung, einem Wee Dram und dem Kauf einer Flasche mit Sonderabfüllung brachen wir dann auf, um unser nächstes Hotel zu suchen. Nach offizieller Bezeichnung war dies "nur" ein Bed & Breakfast, aber es war im Prinzip wirklich wie ein Hotel.
Begrüßt wurden wir vom unglaublich freundlichen und hilfsbereiten Hausherrn und diese Freundlichkeit zog sich wie ein roter Faden durch unseren ganzen Aufenthalt. Auch am nächsten Morgen, als die Hausherrin anwesend war und unsere Frühstückswünsche aufnahm (und sich unzählige Male dafür entschuldigte, dass sie uns am Vorabend nicht begrüßen hatte können).
Die herausragenden Bewertungen für das Ard-na-Coille in Newtonmore sind absolut nicht zu unrecht so abgegeben worden. Wer ein wirklich tolles Hotel inmitten des Cairngorms National Park sucht, kann hier nichts falsch machen.


Ard-na-Coille B&B

Ganz interessant fand ich auch, dass dieses Haus wohl in der TV-Serie Monarch of the Glen zu sehen war und dass einige Schauspieler und Mitwirkende aus dieser Serie während der Dreharbeiten im Ard-na-Coille gewohnt haben.

Wenn ich die Serie das nächste Mal anschaue, werde ich wohl mal genau hinsehen, ob ich es entdecke.


Schade war nur, dass wir an einem Samstagabend dort waren und der Empfehlung des Hausherren für ein leckeres Abendessen nicht folgen konnten.
Wir fanden zwar den Pub, den er uns beschrieben hat, aber der war so gut besucht, dass wir leider keinen Platz mehr bekamen und über eine Stunde hätten warten müssen.
Also aßen wir halt fettige Fish'n Chips in einem Schnellrestaurant an der Hauptstraße.








Sonntag, 24. Mai 2015

Schottland 2014 - Tag 8 - 13

21.09.-26.09.2014


In unserem wunderschönen Cottage fühlten wir uns so wohl, dass wir kaum aus dem Haus gehen wollten. Zumindest legten wir zunächst einen Ruhetag ein, an dem wir nur die nähere Umgebung ums Haus herum erkundeten und anschließend mit einem glückseligen Lächeln im Sonnenzimmer saßen und auf das Meer starrten, bis das Tageslicht verschwand.


Am nächsten Tag verließen wir unser Cottage auch nur, um zum nahe gelegenen Neist Point, dem westlichsten Punkt der Isle of Skye, zu fahren.
Wir waren recht früh am Vormittag dort, quasi gleich nach dem Frühstück und natürlich hatten wir den Vorteil, dass wir ja nur 6 Meilen entfernt wohnten. Deshalb bekamen wir noch einen der letzten freien Parkplätze. Als wir später wieder gingen, parkten die Touristen schon halb auf der Klippe.


Neist Point Halbinsel
An diesem Tag bekamen wir einen kleinen Vorgeschmack auf die Touristenmengen, die sich in diesem Jahr auf der Isle of Skye befanden. Etwas, das mir natürlich gar nicht gefiel - mein Schottland ist ja menschenleer.
Aber es war durchaus noch erträglich und so verbrachten wir einen richtig netten Vormittag mit einer kleinen Wanderung zum Leuchtturm.



Man sieht es auf den Bildern nicht, aber der Weg führt zunächst einmal ziemlich steil nach unten und auf der anderen Seite wieder streng aufwärts. Wer nicht gut zu Fuß ist, sollte auf diese Besichtigung also lieber verzichten. Vor allem der Abstieg wird bei Regen wohl auch ziemlich glitschig sein, wir hatten aber grandioses Glück mit dem Wetter und nach einem eher diesigen Morgen entwickelte sich ein wunderschöner Tag.

Neist Point Leuchtturm

Neist Point Leuchtturm



Auf dem Weg zurück entdeckte ich am Wegesrand dieses Prachtexemplar einer schottischen Distel.

Diese Pflanze war wohl später dran mit ihrer Blüte, bis dahin habe ich während unserer Reisezeit immer nur verblühte und vertrocknete Exemplare entdeckt. Was auch nicht schlecht war, weil ich immer wieder Samen davon "geerntet" habe.

Allerdings will die schottische Disteln in unserem Garten einfach nicht wachsen. Vermutlich haben wir den falschen Boden oder das falsche Klima.








Das Wetter wurde langsam schlechter, bei bedecktem Himmel besuchten wir am nächsten Tag eine alte Bekannte, die Talisker Destillery.




Das letzte Mal konnten wir einfach in die Destille selbst reingehen, bekamen erst einmal einen Wee Dram und sofort einen Platz in der nächsten Führung. Dieses Mal bemerkten wir schon an der Vielzahl der geparkten Wagen auf dem Parkplatz und der neuen Ausschilderung zum separaten Besucherzentrum, dass sich die Zeiten geändert hatten.
Mit viel Glück erwischten wir noch zwei Plätze in der nächsten Führung, das Paar nach uns musste schon eine weitere halbe Stunde warten.

Alles war inzwischen viel professioneller aufgezäumt und leider ist halt mein Gedächtnis zu gut, um zu vergessen, wie nett und familiär es damals zugegangen ist. Mein Mann hat sich nicht mehr erinnert, der Glückliche! ;-)
Aber mei, so ist halt der Lauf der Dinge. Ist ja klar, wenn die Destille täglich von Touristen "gestürmt" wird, dann müssen die halt aufrüsten. Und klar ist auch, dass niemand in Schottland auf die Einnahmequellen verzichten kann. Schade finde ich es dennoch, dass "mein" Schottland immer mehr verschwindet.



Die nächsten Tage kam er dann, der angekündigte Sturm mit Windböen, Regenschauern und einem krassen Temperatursturz. Ich fand es herrlich! :)
Ich hätte jetzt nicht drei Wochen von diesem Wetter haben wollen, aber die zwei Tage verbrachten wir einfach eingeigelt in unserem Cottage, vertrödelten den Tag, guckten den Riesenwellen in der Bucht zu und bedauerten ein wenig die Schafe, die aufpassen mussten, nicht über die Klippen geweht zu werden.




Zwar galt die Fünf-Minuten-Regel in den Sturmtagen nicht (es gibt ein Sprichwort, dass man, sollte einem das Wetter in Schottland nicht gefallen, man einfach fünf Minuten warten solle), aber nachdem sich der Sturm ausgetobt hatte, riss die Wolkendecke einfach wieder auf und ein herrlicher Tag begann.

Dieses Mal brachen wir in Richtung Osten auf, um Trotternish gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden. Als wir das letzte Mal auf Skye waren, hatten wir ja das eine oder andere dort ausgelassen, weil wir nur anderthalb Tage dort verbrachten. Also holten wir das jetzt nach. Zuerst einmal besuchten wir Flora MacDonalds Grab.




Direkt neben dem Friedhof liegt das Skye Museum of Island Life, das wir dieses Mal aber nicht erneut besucht haben.









Wir fuhren lieber weiter in Richtung Süden und hielten am Kilt-Rock-Parkplatz, um dort einen ersten Overkill an vor allem spanischen und asiatischen Touristenbussen zu erleben. So viele Touristen habe ich in Schottland noch nie auf einem Haufen gesehen!

Vor allem die Spanier habe ich als extrem lästig erlebt. Schlurfenden Schrittes in Gummistiefeln, laut quakend und schnatternd, ihren Müll überall hinwerfend ...

Es war eine gigantische Erholung als der Reiseleiter zum Aufbruch drängte und alle wieder in ihre Busse verschwanden. Für einen kurzen Moment hatten wir den Kilt Rock fast für uns alleine.


Kilt Rock

Am Parkplatz von dem aus man zum Old Man of Storr wandern kann, sahen wir schon von der Straße aus, dass die Touristenbusse nun hier standen. Wir verzichteten also lieber dankend darauf und hielten erst ein ganzes Stück entfernt am Straßenrand an, um einen Blick zurück auf den alten Mann zu werfen.


Old Man of Storr

Bei unserem ersten Besuch auf der Isle of Skye war die Straße zwischen Portree und dem nördlichsten Zipfel von Trotternish nur eine Single Track Road. Unsere erste Erfahrung mit der Einzelstraße und wir hatten regelrecht ein wenig Angst davor - vor allem, weil dies damals die längste Etappe unserer Reise war und wir nicht abschätzen konnten, wie lange wir dafür benötigen würden.
Inzwischen ist die Straße komplett ausgebaut, die Single Track Road ist verschwunden. Bei der Vielzahl von Touristenbussen ist das sicherlich auch dringend erforderlich geworden. Für mich war es wieder ein Beweis, dass Schottland sich sehr verändert. Und das - für mich - leider nicht zu seinem Vorteil. Nun denn, ich werde micht wohl an den Fortschritt gewöhnen müssen.


Bevor wir die Isle of Skye wieder verlassen mussten, begaben wir uns noch auf eine kleine Shopping-Tour nach Waternish. Bereits bei einer früheren Übernachtung (ich meine, es war bei Ayleen in Onich) entdeckte ich in den Touristeninformationen zwei interessante Ziele.

Zum einen gab es pflanzengefärbte Wolle, was mich natürlich enorm interessierte. Erst viel später entdeckte ich, dass die Shilasdair-Wolle eine große Bekanntheit hat. Als ich den Shop besuchte, war leider eine etwas mufflige Verkäuferin anwesend, die kein Wort mit uns wechselte. Die Wolle ist tatsächlich sehr schön und die Farben sind von einer Leuchtkraft, die man sonst wohl nur mit Säurefarben hinbekommt.
Leider hatte ich kein besonderes Projekt im Sinn, deshalb habe ich ein wenig planlos ein paar Stränge gekauft, die mir von der Farbe her gut gefielen. Bis jetzt habe ich noch kein passendes Strickobjekt dafür gefunden. Mal sehen, was ich daraus mache.








Der nächste Halt war bei den Skye Skyns, die Leder und Schaffelle herstellen. Hier war der Ablauf so, wie ich es von Schottland her kenne. Man tritt in die Werkstatt ein und wird sofort von einem freundlichen, liebenswerten Schotten begrüßt, der einem persönlich zeigt, wie man aus einer Schafshaut ein kuscheliges Fell macht.

Die "Tour" endet in einer Art Verkaufsraum und natürlich haben wir etwas gekauft, auch wenn wir leider erst zu Hause festgestellt haben, dass wir jetzt ein Merinoschaf aus Neuseeland auf unserem Sofa liegen haben, das einen Umweg über Schottland gemacht hat.
Tja, eigentlich wollten wir ja etwas von den Isle of Skye haben. Aber selbst schuld, dass wir nicht vor Ort auf die Rückseite des Fells geguckt haben. Da stand das klar und deutlich drauf.


Der letzte Tag in unserem Cottage brach an und schweren Herzens tranken wir unsere letzte Tasse Tee im Sonnenzimmer. So schnell war eine Woche vorbei gegangen!
Zwar würden jetzt noch ein paar Tage in den Highlands folgen, aber der eigentliche Höhepunkt war vorbei.

Mit einem letzten Blick auf unsere tierischen Nachbarn packten wir unser Zeugs wieder ins Auto und verließen die Isle of Skye, um aufs Festland zurück zu fahren.



Es war natürlich sehr schön auf Skye, das ist keine Frage. Aber gerade Skye hat sich sehr verändert und versucht momentan, den Tourismus enorm anzukurbeln. Verständlich für diejenigen, die vom Tourismus leben müssen. Für diejenigen, die nach Schottland kamen, weil es dort anders war, aber eine eher ungute Entwicklung.

Wir sollten entdecken, dass es in den Highlands ruhiger und Tourismusärmer war, als auf Skye. Bei unserem ersten Besuch war das genau anders herum.