Freitag, 30. Januar 2015

Schottland 2014 - Tag 4

17.09.2014
Glenfinnan Viadukt


Ein wunderschöner Tag brach an, kein Wölkchen am Himmel und gestärkt von einem grandiosen Frühstück von Aileen brachen wir auf in Richtung Westen.
Bereits auf unserer allerersten Reise durch Schottland sind wir über diese Straße in Richtung Mallaig gefahren, damals hatten wir aber leider überhaupt keine Zeit um anzuhalten. Das sollte dieses Mal anders sein.
Jacobite Steam Train
Jacobite Steam Train
Direkt am Glenfinnan Viadukt befindet sich ein Parkplatz, vor einigen Jahren noch kostenlos, inzwischen muss man auch in Schottland bei den meisten Sehenswürdigkeiten Parkgebühren bezahlen.
Im Museumsshop erfuhren wir, dass in ein paar Minuten der Jacobite Steam Train vorbeifahren würde, das wollten wir natürlich nicht verpassen und so gingen wir erst noch einmal nach draußen.

Laut der Aussage der Kassiererin würde es uns leider nicht mehr reichen, bis zum Viadukt zu gehen, also warteten wir direkt auf dem Parkplatz. Es stellte sich aber heraus, dass es sehr wohl noch gereicht hätte. Wirklich schade, weiter vorne hätten wir den Zug bestimmt besser gesehen, aber es war auch so ganz nett.






Glücklicherweise verzogen sich die ganzen Zuschauer umgehend nach der Durchfahrt des Zuges und wir konnten in aller Ruhe das Glenfinnan Monument besuchen.


Glenfinnan Monument


Bonnie Prince Charlie





Bonnie Prince Charlie stand ganz einsam auf seinem Denkmal, also kletterte ich mal eben zu ihm nach oben, über eine ziemlich steile und enge Treppe.











Der Ausblick war atemberaubend!



Ich konnte mich wirklich nur äußerst schwer davon loseisen, aber letztlich setzten wir doch unseren Weg fort und fuhren erst einmal in Richtung Mallaig. Auf der Höhe von Lochailort bogen wir jedoch in Richtung Süden ab, um an der Küste von Loch Ailort entlang zu fahren.
Ein wirklich wundervolle Strecke mit traumhaften Aussichten - vor allem bei diesem unglaublich tollen Wetter.

Schottische Landschaften sind ja immer atemberaubend, mit einer Prise Sonnenschein werden sie so unbeschreiblich schön, dass man gar nicht glauben kann, dass das alles echt ist.



Glenuig Inn

Mitten auf der Strecke entdeckten wir dieses gemütlich wirkende Gasthaus, in dem wir eine wirklich superleckere Soup of the Day mit selbstgebackenem Brot aßen.








Auf der Terrasse im Sonnenschein sitzend, mit Blick auf die Bucht und auf ein paar weidende Schafe. Ich hätte wirklich ewig dort sitzen können!




Aber natürlich brachen wir irgendwann doch auf und fuhren weiter über die A861, bis wir wieder zu Loch Linnhe zurück kamen.

Auf dem Weg, der größtenteils auch über Single Track Roads ging, hielten wir natürlich auch häufig an, um einfach nur grenzdebil grinsend in die Gegend zu glotzen und glücklich zu sein. Was für ein wunderschöner Tag!



Leider gab es jedoch auch die erste Begegnung mit etwas, das wir noch häufiger sehen würden. Hier in einem kleineren Ausmaß, wir fuhren jedoch auch manchmal meilenweit an solchen gerodeten Flächen vorbei.
Erst war ich völlig schockiert, wie man so etwas tun kann, denn teilweise war zu erkennen, dass die Rodung schon einige Zeit zuvor geschehen sein muss und keinerlei Anzeichen einer Aufforstung zu sehen war.
Später las ich dann, dass wohl in ganz Großbritannien der Wert des Waldes nicht so geschätzt wird, wie zum Beispiel bei uns. Für die Briten ist Wald nur Holz, das geerntet wird. Und so wird eben eine Armada an Holzerntemaschinen durch eine Waldfläche geschickt, ohne Rücksicht auf das, was übrig bleibt. Für mich ein wirklich schrecklicher Anblick!




Um nicht komplett um Loch Linnhe herumfahren zu müssen, nutzen wir eine kleine Abkürzung und nahmen die Corran Ferry. In ein paar Minuten quert man Loch Linnhe und kurz darauf waren wir wieder bei Aileen im Tigh Marall.


Corran Ferry

Mittwoch, 28. Januar 2015

Schottland 2014 - Tag 3


16.09.2014


Nach einem leckeren schottischen Frühstück im Schlossrestaurant brachen wir am nächsten Morgen in Richtung Westen auf. Wir hatten genügend Zeit, denn dieses Mal hatten wir die Streckenabschnitte wirklich äußerst kurz gesteckt, um in aller Ruhe wirklich an jeder interessanten Stelle anhalten zu können.

Zuerst wollten wir noch zum Wallace Monument fahren, das wir ja am Tag zuvor nur aus der Ferne gesehen hatten. Als wir dort ankamen, erwartete uns jedoch ein leerer Parkplatz, was uns schon stutzig machte. Am Kassenhäuschen entdeckten wir dann das Schild mit den Öffnungszeiten. Wir waren eine Stunde zu früh dort! So lange wollten wir aber nun wirklich nicht warten.

Unser nächstes Ziel sollte dann eigentlich Doune Castle sein, das unweit von Stirling liegt. Als wir dort ankamen, versperrte uns jedoch eine Straßensperre den Weg. Wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

Das war ja wie verhext! Zeit en Masse und nichts zum angucken. Kurz überlegten wir, doch wieder nach Stirling zurückzufahren, um Mr Wallace einen Besuch abzustatten, als wir an der Straße ein interessantes Hinweisschild entdeckten. Und so landeten wir am frühen Morgen in einer uns bis dahin völlig unbekannten Destille:


Deanston Distillery, Doune
Eine Führung zwar nicht angeboten, aber der Verkaufsraum war sehr hübsch eingerichtet und die Verkäuferin war äußerst nett und hilfsbereit. Wir kamen richtig ins plaudern und ich erfuhr, dass sie ursprünglich aus Australien stammt und nur für ein Jahr nach Schottland kommen wollte. Inzwischen überlegte sie jedoch, ein weiteres Jahr dranzuhängen, weil es ihr so gut gefiel. Wie gut konnte ich sie verstehen! Und das nicht nur inhaltlich, denn sie sprach ein wunderbar verständliches Englisch, was ich ihr auch sagte.

Wieder einmal stellte ich nämlich fest, dass die Schotten im Süden des Landes einen weitaus heftigeren Dialekt sprachen, als diejenigen, denen wir später weiter im Norden begegneten.

Nach einem Wee Dram und einer gekauften Flasche Deanston fuhren wir weiter auf der A84 und landeten kurz darauf in einem Art Scheunenverkauf mit allerlei Krimskrams. Ich liebe diese britischen Flohmärkte, obwohl ich vermutlich nie etwas kaufen würde, weil die Gegenstände nicht zu unserem Einrichtungsstil passen. Aber ich könnte stundenlang durchschlendern, mir alles ansehen und mich wie in einer Barnaby-Folge fühlen. ;-)


In einem kleinen Supermarkt kauften wir uns ein paar Sandwichzutaten und entdeckten zufällig ein wunderhübsches Plätzchen, um eine Rast einzulegen.


Ein richtiger Rastplatz mit Bänken und Tischen und einer traumhaften Aussicht am Ufer von Loch Lubnaig.


Loch Lubnaig




The Falls of Dochart, Killin
Frisch gestärkt setzten wir unseren Weg fort
und folgten erneut einem braunen Hinweisschild,
um bei den Wasserfällen von Dochart zu landen.

Nichts Spektakuläres, nur ein paar Strudel über ein
paar Felsen. Aber nett anzusehen und hätten wir nicht
kurz davor unser Sandwich gegessen, dann hätten
wir sicherlich einen leckere Soup of the Day im
örtlichen Pub gegessen.


Weiter in Richtung Westen erreichten wir das Glen Coe, das wir einmal durchquerten. Da wir aber planten, in den nächsten Tagen einen ganzen Tag dort zu verbringen, hielten wir nur kurz an einem Aussichtspunkt an, als die Sonne herausspickelte.


Glen Coe

Glen Coe

Am späteren Nachmittag erreichten wir dann unsere Unterkunft für die nächsten drei Nächte. Eines der besten B&Bs, in dem wir jemals übernachtet haben. Direkt am Ufer von Loch Linnhe gelegen, abseits der Hauptstraße und doch so zentral, dass man innerhalb weniger Minuten in Fort Williams ist.


Tigh Marall, Onich

Die Zimmer sind gemütlich und mit zusätzlichen Details (z.Bsp. eine Karaffe mit Whisky, hausgemachtes Tablet und Shortbread, eine Tassimo-Maschine), ausgestattet, alles was man braucht ist vorhanden und Aileen, die Wirtin ist eine so unglaublich herzliche Frau, dass man sie einfach nur knuddeln möchte.

Zuerst hatten wir das kleinere der beiden Zimmer im Obergeschoss (das Gaubenfenster ganz links). Aileen bot uns aber an, da wir ja noch zwei weitere Nächte bei ihr waren, dass wir dann in das größere Zimmer umziehen könnten (die zwei rechten Gaubenfenster).

Die absolute Krönung ist das Frühstück, das einem in einem original britischen Picknickkorb aufs Zimmer gebracht wird. Und das nicht etwa mit Plastikgeschirr, nein absolut stilecht mit hochwertigster Ausstattung. Natürlich waren auch die Zutaten von höchster Qualität, allein der Obstsalat war so frisch, dass man glauben konnte, die Beeren hätten kurz davor noch am Strauch gehangen. Dazu gab es frisch gebackene Pancakes, kleine Crossaints, Toast, Joghurt, Marmelade ... und natürlich das gekochte Frühstück, das man am Abend zuvor bestellt hatte. Beans, Eggs, Bacon, Mushrooms ... wirklich alles, was man sich wünschte, serviert auf dem eigenen Zimmer.


Falls nun jemand auf die Idee kommt, bei Aileen ein Zimmer zu buchen - es könnte sein, dass es das Tigh Marall nicht mehr gibt (oder mit einem anderen Besitzer). Als wir uns nach drei Nächten verabschiedeten, kamen wir ein bisschen ins Plaudern und wir erfuhren etwas über Aileens Lebensgeschichte. Ursprüglich hatte sie das Haus gemeinsam mit ihrem Mann gekauft und dort gemeinsam ihren Lebensabend zu verbringen. Ihr Mann starb jedoch an Krebs, kurz bevor das Haus fertig renoviert war. Sie beschloss, dennoch dort einzuziehen und aus reiner Freude an der Gesellschaft das B&B zu eröffnen.

Ihr ist die Lage aber letztlich doch zu abgeschieden, sie ist unglaublich interessiert an Kultur, möchte gerne öfter mal wieder ins Theater und in die Oper gehen. Deshalb fährt sie recht häufig nach Glasgow, was aber eine ziemliche Strecke ist (einfach mindestens zwei Stunden Fahrt). Deshalb prangte schon während unseres Aufenthalts ein Schild "Zu Verkaufen" im Vorgarten des Hauses. Wenn sich ein Käufer findet, wird sie nach Glasgow ziehen und hat vor, sich ein Haus in Spanien zu kaufen, um dort zu überwintern.