Freitag, 19. Juni 2015

Schottland 2014 - Tag 18-20

30.09. - 02.10.2014

Unser letzter Tag in Schottland brach an und nach einem leckeren Frühstück im Broomfield House suchten wir noch einen größeren Supermarkt, um uns mit ein paar Mitbringseln einzudecken.

Auf dem Weg zur nächstgrößeren Stadt hielten wir jedoch zuerst noch bei einer Sehenswürdigkeit, die auf der Strecke lag: Melrose Abbey.






Wir streiften ein wenig über das Gelände, außer uns waren kaum noch andere Besucher anwesend.


Und dann passierte das, was natürlich doof ist, wenn man weit und breit keinen Zugang mehr zu einer Steckdose hat: Der Akku unseres Fotoapparates war leer und wir hatten auch vergessen, den Ersatzakku aufzuladen.




Somit war das hier das letzte Bild:


Aber das war nicht weiter schlimm, danach ging es ohnehin nur zum Supermarkt nach Melrose in dem wir uns mit schottischen und britischen Lebensmitteln, Bier- und Ciderflaschen eindeckten. Ebenfalls in den Einkaufswagen wanderte unser Abendessen, denn wir waren fest entschlossen, nicht wieder Unsummen für ein labbriges Sandwich auf der Fähre auszugeben.

Die Überfahrt verlief wieder problemlos, die Nordsee war ruhig und ließ uns schlafen. Und nach einem ganz ordentlichen Frühstück saßen wir später in unserem Auto und warteten darauf, dass wir ausfahren durften.
Die ganze Reise über hatten wir ja immer im Hinterkopf, welche Startschwierigkeiten wir zu Beginn des Urlaubs hatten. Den Starthilfepack, den wir in Stirling gekauft hatten, fuhren wir dann aber unbenutzt die ganze Zeit mit uns Spazieren, das Auto ist jeden Tag klaglos angesprungen und wir dachten wirklich, dass es einfach nur die Heckklappe war, die in der Nacht vor unserer Abfahrt nicht richtig geschlossen war und deshalb für die leere Batterie gesorgt hat.

Dann jedoch ... die Ausfahrt der Fähre wird freigegeben, die Wagen vor uns starten und rollen los und bei uns ... NICHTS!
Der größte Albtraum aller Zeiten, Puls auf 180. Hinter uns ein Hupkonzert, zwei Matrosen kamen angerannt, regelten den Verkehr, kümmerten sich darum, erst einmal alle, die in der Reihe hinter uns standen, an uns vorbeizuleiten. Die bösen Blicke, wir versanken fast in unseren Sitzen.
Dann durften wir, leicht angeschubst von den Matrosen, die Rampe nach unten rollen und wurden zur Seite geschoben. Gleich kam ein weiterer Angestellter der Fähre auf uns zu und wollte uns mit einem Starthilfepack fremdstarten, doch mein Mann war da schon längst ausgestiegen und hat unser eigenes Pack vom Rücksitz geholt. Wenn wir das verdammte Ding schon selbst gekauft hatten, wollten wir es wenigstens ein einziges Mal auch verwenden!

Mit der Starthilfe sprang unser Auto dann sofort an und wir verließen Ilmuijden in Richtung Süden. Was wir bei der Planung unserer Reise jedoch nicht bedacht hatten, war die Tatsache, dass wir am 2. Oktober heimfahren würden. Der 3. Oktober ist ja ein Feiertag und im Jahr 2014 fiel dieser auf einen Freitag, sodass viele das lange Wochenende für einen Kurzurlaub nutzten. Nicht nur viele, sondern SEHR viele! Dementsprechend voll waren die Autobahnen und wir mittendrin. :rolleyes:


Erst nach unzähligen Stunden mit Stau, stop and go sowie einer Vollsperrung (eigentlich auf der gegenüber liegenden Autobahn, aber die Gaffer auf unserer Seite musste ja uuuuunbedingt den Massenunfall anstarren) kamen wir erst am Abend zu Hause an.

Wir witzelten noch darüber, dass wir jetzt noch zwei Kilometer im Kreis fahren, damit es exakt 4000 Kilometer werden. Runden wir halt gedanklich auf. ;-)




Hier noch unsere "Beute" für unser Whiskyregal, das wir wohl bald noch einmal ausbauen müssen, um die Schätze zu fassen - oder wir müssen mehr Whisky trinken.

Slainthe Mhath!








Resümee:
Natürlich war es schön. Wunderschön und zauberhaft!
Schottland ist und bleibt einzigartig für mich und immer noch ist die Sehnsucht groß, wenn ich nicht dort bin.

Aber Schottland verändert sich. Wird "Touristenhafter". Habe ich in Cornwall noch gemeckert, dass jeder Parkplatz vor den Sehenswürdigkeiten Gebühren kostet und dies in Schottland nicht der Fall sei, rüstet man inzwischen auf und kassiert ab.
Es gibt sie natürlich noch, die menschenleeren Ecken aber die werden weniger während die Touristenanzahl steigt.

Durch den Erfolg der TV-Serie "Outlander" wird das wohl noch mehr werden, eine Entwicklung, die ich nicht unbedingt gerne sehe. Aber ich verstehe natürlich, dass die Schotten auf diese sprudelnde Geldquelle nicht verzichten können.


Mal sehen, wann wir das nächste Mal nach Schottland kommen. Gedanklich plane ich natürlich schon wieder. Vielleicht wieder in den ganz hohen Norden. Die Orkneys, die äußeren Hebriden, Mull und Islay. Die Inselns zu besuchen erfordert ja einen etwas höheren Aufwand, den viele Touristen, die eine Busrundfahrt buchen, vielleicht eher scheuen.
Vielleicht ändern wir auch mal unsere Reisezeit. Der Herbst war zwar bisher immer ideal für uns, aber mich würden auch mal andere Jahreszeiten interessieren. Schauen wir mal ...


Samstag, 13. Juni 2015

Schottland 2014 - Tag 17

30.09.2014

So langsam rief die Heimat wieder und von jetzt ab würden wir uns nur noch in Richtung Süden bewegen.

Doch auf dem Weg zu unserer letzten Übernachtung in den Schottischen Borders hielten wir zuerst einmal bei der Destille, die wir inzwischen schon zum dritten Mal angefahren hatten:



Bei unserem ersten Besuch waren wir ja so übersättigt von Destilleriebesuchen gewesen, dass wir auf die damals noch kostenlose Führung verzichtet hatten. Später bedauerten wir das und wollten das unbedingt nachholen. Bei unserem ersten Versuch, ein paar Tage zuvor, hatten wir ja mit dem Sonntag den einzigen Tag erwischt, an dem die angeblich kleineste Destillerie Schottlands geschlossen war. Dieses Mal war jedoch Dienstag und die Tore standen offen.

Allerdings hat sich inzwischen auch hier einiges geändert. Nicht nur, dass die Führung inzwischen ein paar Pfund kostet, der bisherige kleine aber feine Shop wurde in eine Bar mit Besucherwarteraum umgewandelt und der frühere Empfangsraum wurde zu einem großen, modernen Shop gleich am Eingang umgebaut. Die Zeichen der Zeit lassen sich nirgends aufhalten, aber in Edradour geht alles dennoch noch ein bisschen langsamer voran.





Auch die Führung unterscheidet sich ein klein wenig von einigen anderen Destillen. Hier darf man noch relativ ungezwungen über das Gelände streifen und nach Herzenslust knipsen.





Diese kleine Destillerie mit ihren weißen Häuschen und den roten Türen und Fenstern sieht aber auch wirklich allerliebst aus. Wie eine Puppenstubendestille. ;-)




Auch die Pot Stills sind in Edradour eher kleiner und alles wirkt noch ziemlich handgemacht.

Im Hintergrund ist der Spirit Safe zu sehen, der während wir dort standen und den Worten unserer Führerin lauschten, geputzt und poliert wurde. Dabei irritierte uns alle, dass der Angestellte den Safe auch öffnete und die Scheiben von innen putzte. Normalerweise ist der Safe nämlich fest verschlossen und sogar vom Zoll verplombt.









Als jemand sich schließlich erbarmte und danach fragte, lachten die Angestellten nur. Inzwischen könnte der Zoll schon allein an den Einkäufen der Rohstoffe errechnen, wie viel Whisky produziert würde. Da müsse nichts mehr verplombt werden. Dass viele Destillen den Mythos des heiligen Spirit Safes aufrecht erhalten, sei nichts anderes als Tradition.





Auch eine Tradition, mit der in Edradour gebrochen wird, ist das Betreten und Fotografieren in den Warehouses.

In manchen Destillen darf man die lagernden Whiskyfässer nur in einem abgedunkelten Vorraum durch eine Glasscheibe angucken.


Bei Edradour geht man während der Führung einfach mitten in die Lagerhalle und steht zwischen Fässern.
Der Geruch ist atemberaubend!

Wir schwebten quasi wie Engelchen durch die Reihen und genossen den Angels' Share ;-)



Beschwingt kauften wir natürlich noch ein paar Sonderabfüllungen und setzten unseren Weg fort in Richtung Süden. Nach dem hochfeudalen Cardhu Country House B&B sollte unsere letzte Übernachtung etwas einfacher ausfallen.
Dennoch können wir das Broomfield House in Earlston uneingeschränkt empfehlen!
Stuart, Sylvia and Tracey sind unglaublich herzliche und liebenswerte Gastgeber, die alles für ihre Gäste tun, was möglich ist. 

Wer also noch eine Übernachtungsmöglichkeit im Süden braucht, bevor es am nächsten Tag auf die Fähre in Newcastle geht, ist hier genau richtig.







Dienstag, 9. Juni 2015

Schottland 2014 - Tag 16

29.09.2014


Nach einem durchaus leckeren, frischen Frühstück lag ein wunderbarer Tag vor uns. Der Himmel war zwar noch ein wenig verhangen, aber er versprach später aufzureißen und die Sonne durchzulassen.

Nicht nur das Wetter sollte toll werden, wir hatten mal wieder einen Tag vor uns, der völlig planlos war und ließen uns einfach treiben. Zuerst einmal fuhren wir in Richtung Norden und bogen an einem braunen Schild einfach mal ab um Brodie Castle zu besichtigen.




Nach einer Schlossführung durch die Räumlichkeiten ...



... durchstreiften wir schließlich auch die Gärten und entdeckten wunderschön bepflanzte Beete.









Ein ganz nettes Schlösschen, aber jetzt nichts, was unbedingt in einer Reiseplanung beinhaltet sein muss. Aber wir verbrachten einen sehr netten Vormittag dort.



Zum Mittagessen besorgten wir uns in einer Markthalle (ähnlich der im Bruar House) einige Sandwich-Utensilien und suchten uns dann ein schönes Plätzchen. Der Zufall half uns mal wieder dabei, denn wir verließen nach Forres die A96 einfach in Richtung Küste und landeten an der Spitze der Findhorn Bay.



Dort auf der Bank am Straßenrand aßen wir unseren Lunch und sahen den kleinen Booten zu, die auf dem Wasser trieben.







Anschließend gingen wir noch ein wenig spazieren. Einmal die Straße entlang, quer durch den Ort bis zum Strand. War das herrlich!






Ein Nachmittag völlig nach meinem Geschmack. Möglichst wenige Menschen, unglaublich schöne Natur, angenehme Temperaturen, Sonnenschein mit leichter bis mittlerer Brise, Meer, der Geruch nach Salz ...

Mittwoch, 3. Juni 2015

Schottland 2014 - Tag 15


28.09.2014


Eigentlich hätten wir Newtonmore in Richtung Norden verlassen müssen, denn unsere nächste Station lag im Speyside-Gebiet.
Doch wir wollten unbedingt die Edradour Destillerie besichtigen und fuhren wir in Richtung Süden. Bereits bei unserer allerersten Schottlandreise waren wir bei dieser Destille und hatten den Fehler gemacht, die damals noch kostenlose Führung abzulehnen.

Nach unzähligen Meilen südwärts standen wir dann auf dem komplett leeren Parkplatz und stellten fest, dass die Destille zwar täglich geöffnet war - Sonntags jedoch nicht. *hrmpf*


Um nicht völlig ohne Destilleriebesuch wieder in Richtung Norden zu fahren, besuchten wir halt die zweite Destille in Pitlochry: Blair Athol

Die produzieren zwar auch viel Whisky, der in Blends verarbeitet wird, aber auch hier hat man erkannt, dass es die Fans von Single Malt gibt. Deshalb konnten wir unser obligatorisches Sonderabfüllungsfläschchen kaufen.

Auf dem Weg auf der A9 landeten wir schließlich in einem riesigen Einkaufsareal, dem "House of Bruar". Vielen kleine Shops mit Kleidung, Haushaltskrimskrams und netten Kleinigkeiten auch eine große Markthalle mit Feinkost und einem Restaurant. Dort aßen wir zu Mittag (Soup of the Day ;-)) und stöberten ein wenig in den Shops herum. Ich kaufte einen Hut, der preisreduziert war und mein Mann fand ein paar Köstlichkeiten als Mitbringsel für seine Eltern. Und ratzfatz waren ein paar Stunden vorbei also machten wir uns langsam mal wieder auf den Weg, um unsere nächste Übernachtungsstation zu finden.

Das "Cardhu Country House" war das letzte Hotel, das ich noch ganz kurz vor unserer Abreise gebucht habe, als wir feststellten, dass wir eine Lücke in unserer Planung hatten.
Es nennt sich Luxury Bed & Breadfast und das spiegelt sich vor allem im ziemlich hohen Preis nieder. Mit etwas mehr Zeit für die Planung hätte ich es wohl nicht gebucht.





Rein optisch machte es schon etwas her.

Etwas abseits vom kleinen Dorf Knockando, ganz in der Nähe der Destille Cardhu gelegen, mit einer separaten Auffahrt und einem Parkplatz auf dem nur Luxuskarossen standen (unsere C-Klasse war da die unterste Liga).




Das Haus selbst lag in einem von einer Steinmauer begrenzten Grundstück mit diversen Nebengebäuden, in den früher sicher einmal die Angestellten gelebt hatten.





Rings um das Grundstück waren auf drei Seiten nur Felder und Wiesen, auf der vierten Seite äußerst ruhige Nachbarn.

Ein richtig schöner alter Friedhof mit verwitterten, uralten Grabsteinen.
Die kleine Kapelle war eher neueren Datums und sie war verschlossen.





Auch die Zimmer machten ordentlich etwas her. Man hätte sich also richtig wohl fühlen können, wenn der Hausherr nicht ein eher stoffeligmürrischer Gastgeber gewesen wäre, der uns nur wortkarg die Schlüssel in die Hand drückte.


Aber auch das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wir haben ja ohnehin recht selten Lust auf großen Smalltalk. Nicht so toll war aber, dass es mit der Sauberkeit arg haperte. Staub überall, die Dekokissen auf dem Bett muffelten fürchterlich, das Bad war leicht angeschimmelt und als Krönung prangte auf meiner Bettdecke ein großer Blutfleck. Also nicht auf dem Bettbezug, der war wohl frisch gewaschen, sondern auf dem Inlett.
Ich überlegte ernsthaft, mit der Decke wieder nach unten zu gehen und um eine andere Decke zu bitten. Aber als ich den Fleck entdeckte, steckte ich schon im Nachthemd. Extra nochmal anziehen und jemanden vom Haus ausfindig machen, um ein unangenehmes Reklamationsgespräch zu führen? Nööö, da hatte ich echt keine Lust darauf.

Also drehte ich die Decke so, dass der Fleck nach außen zeigte. Und so ließ ich die Decke auch am nächsten Tag liegen, als wir unterwegs waren. Ich ging fest davon aus, dass - wer auch immer das Zimmer reinigte - diesen Fleck auf jeden Fall bemerken und beseitigen würde. Tja, falsch gedacht.
Zuerst freute ich mich, weil wirklich nichts mehr zu sehen war. Die Decke war wieder festgesteckt, wie auf dem Bild zu sehen. Als ich das Bett jedoch am Abend aufschlug, prangte mir der Fleck wieder entgegen. Hat da doch tatsächlich die Reinigungskraft einfach die Decke wieder umgedreht. *kopfschüttel*

Ja, ich weiß, ich hätte spätestens in diesem Moment reklamieren sollen. Aber ich dachte mir nur meinen Teil und drehte die Decke wieder so, dass ich unter der sauberen Seite lag. Ich bin ein Schäfchen, ich weiß. *schäm*





Samstag, 30. Mai 2015

Schottland 2014 - Tag 14

27.09.2014

An einem etwas kühleren, leicht regnerischen Tag packten wir unsere Siebensachen wieder ins Auto und verließen die Isle of Skye, um zurück in die Highlands zu fahren.
Geplant war an diesem Tag eigentlich nichts, aber die Erfahrung hat ja gezeigt, dass diese Tage oft die schönsten Überraschungen bringen.



Zunächst einmal eine nette Begegnung auf einem Parkplatz am Wegesrand mit einem norddeutschen Paar, das mit einem Wohnmobil unterwegs war.
Die zwei kamen auch von Skye, waren aber davor auf den äußeren Hebriden gewesen und saßen während der Sturmtage dort fest, weil die Fähre nicht mehr übersetzen konnte. Mit einem Wohnmobil ist das ja kein Problem.
Sie schwärmten in den höchsten Tönen von Lewis, Harris, Uist und Barra, weil Schottland dort noch so richtig schottisch wäre. Und auch sie hatten festgestellt, dass Skye in diesem Jahr einen enormen Touristenanstieg zu verzeichnen gehabt hätte, was ihnen ebensowenig gefallen hat wie uns.

Was uns jedoch positiv gestimmt hat, war ihre Ankündigung, dass es in den Highlands in diesem Jahr weitaus ruhiger zugehen würde. Wir konnten das zwar zuerst nicht glauben, aber es traf zu. Nach einem netten Gespräch trennten sich unsere Wege wieder, ich weiß nicht einmal den Namen der zwei aber das waren deutsche Touristen, denen ich gerne begegnet bin - das ist ja leider nicht allzu häufig der Fall.



Als dann so langsam die Mittagszeit näher rückte, kauften wir uns in einem kleinen Supermarkt in Spean Bridge ein paar Leckereien für ein Picknick und suchten uns danach ein schönes Plätzchen dafür. Erst wollten wir schon irgendwo am Straßenrand halten, doch dann entdeckten wir ein braunes Schild und kurzentschlossen bog mein Mann links ab.

Über eine meilenlange Single-Track-Road landeten wir auf einem Parkplatz mit Aussicht, auf dem sich gerade einige Mitglieder einer englischen Landpartie in ihren Protzkarossen aufhielten. Kurz nach unserem Eintreffen brachen diese jedoch auf und nachdem Lamborghini, Bentley und Ferrari ihren Trip durch das Tal fortgesetzt hatten, standen wir plötzlich ganz allein auf dem  Glen Roy Parkplatz und genossen absolute Stille und einen grandiosen Ausblick.


Glen Roy
Das Tal hat eine interessante, eiszeitliche Geschichte, die man am besten hier mal kurz nachliest: http://de.wikipedia.org/wiki/Glen_Roy



Nachdem wir uns gestärkt hatten, setzten wir unseren Weg fort. Bevor wir allerdings unser nächstes Hotel ansteuerten schlugen wir einen kleinen Haken, um eine Destille zu besuchen, die schon lange auf meiner Wunschliste stand: Die Dalwhinnie Destillery


Dalwhinnie Destillery


Dalwhinnie Destillery


Diese Destille wollte ich nicht nur besuchen, weil ich den Whisky recht gerne mag (ein leichter "Mädchenwhisky", fruchtig süß, schmeckt nach Vanille und Honig) sondern auch, weil ich natürlich die beiden Destillen besuchen wollte, die als Namensgeber für meine Katzen fungiert haben.

Zum Vergleich ;-)

Dalwhinnie Distillery - Winnie
Tobermory Distillery - Mory



Nach der Führung, einem Wee Dram und dem Kauf einer Flasche mit Sonderabfüllung brachen wir dann auf, um unser nächstes Hotel zu suchen. Nach offizieller Bezeichnung war dies "nur" ein Bed & Breakfast, aber es war im Prinzip wirklich wie ein Hotel.
Begrüßt wurden wir vom unglaublich freundlichen und hilfsbereiten Hausherrn und diese Freundlichkeit zog sich wie ein roter Faden durch unseren ganzen Aufenthalt. Auch am nächsten Morgen, als die Hausherrin anwesend war und unsere Frühstückswünsche aufnahm (und sich unzählige Male dafür entschuldigte, dass sie uns am Vorabend nicht begrüßen hatte können).
Die herausragenden Bewertungen für das Ard-na-Coille in Newtonmore sind absolut nicht zu unrecht so abgegeben worden. Wer ein wirklich tolles Hotel inmitten des Cairngorms National Park sucht, kann hier nichts falsch machen.


Ard-na-Coille B&B

Ganz interessant fand ich auch, dass dieses Haus wohl in der TV-Serie Monarch of the Glen zu sehen war und dass einige Schauspieler und Mitwirkende aus dieser Serie während der Dreharbeiten im Ard-na-Coille gewohnt haben.

Wenn ich die Serie das nächste Mal anschaue, werde ich wohl mal genau hinsehen, ob ich es entdecke.


Schade war nur, dass wir an einem Samstagabend dort waren und der Empfehlung des Hausherren für ein leckeres Abendessen nicht folgen konnten.
Wir fanden zwar den Pub, den er uns beschrieben hat, aber der war so gut besucht, dass wir leider keinen Platz mehr bekamen und über eine Stunde hätten warten müssen.
Also aßen wir halt fettige Fish'n Chips in einem Schnellrestaurant an der Hauptstraße.








Sonntag, 24. Mai 2015

Schottland 2014 - Tag 8 - 13

21.09.-26.09.2014


In unserem wunderschönen Cottage fühlten wir uns so wohl, dass wir kaum aus dem Haus gehen wollten. Zumindest legten wir zunächst einen Ruhetag ein, an dem wir nur die nähere Umgebung ums Haus herum erkundeten und anschließend mit einem glückseligen Lächeln im Sonnenzimmer saßen und auf das Meer starrten, bis das Tageslicht verschwand.


Am nächsten Tag verließen wir unser Cottage auch nur, um zum nahe gelegenen Neist Point, dem westlichsten Punkt der Isle of Skye, zu fahren.
Wir waren recht früh am Vormittag dort, quasi gleich nach dem Frühstück und natürlich hatten wir den Vorteil, dass wir ja nur 6 Meilen entfernt wohnten. Deshalb bekamen wir noch einen der letzten freien Parkplätze. Als wir später wieder gingen, parkten die Touristen schon halb auf der Klippe.


Neist Point Halbinsel
An diesem Tag bekamen wir einen kleinen Vorgeschmack auf die Touristenmengen, die sich in diesem Jahr auf der Isle of Skye befanden. Etwas, das mir natürlich gar nicht gefiel - mein Schottland ist ja menschenleer.
Aber es war durchaus noch erträglich und so verbrachten wir einen richtig netten Vormittag mit einer kleinen Wanderung zum Leuchtturm.



Man sieht es auf den Bildern nicht, aber der Weg führt zunächst einmal ziemlich steil nach unten und auf der anderen Seite wieder streng aufwärts. Wer nicht gut zu Fuß ist, sollte auf diese Besichtigung also lieber verzichten. Vor allem der Abstieg wird bei Regen wohl auch ziemlich glitschig sein, wir hatten aber grandioses Glück mit dem Wetter und nach einem eher diesigen Morgen entwickelte sich ein wunderschöner Tag.

Neist Point Leuchtturm

Neist Point Leuchtturm



Auf dem Weg zurück entdeckte ich am Wegesrand dieses Prachtexemplar einer schottischen Distel.

Diese Pflanze war wohl später dran mit ihrer Blüte, bis dahin habe ich während unserer Reisezeit immer nur verblühte und vertrocknete Exemplare entdeckt. Was auch nicht schlecht war, weil ich immer wieder Samen davon "geerntet" habe.

Allerdings will die schottische Disteln in unserem Garten einfach nicht wachsen. Vermutlich haben wir den falschen Boden oder das falsche Klima.








Das Wetter wurde langsam schlechter, bei bedecktem Himmel besuchten wir am nächsten Tag eine alte Bekannte, die Talisker Destillery.




Das letzte Mal konnten wir einfach in die Destille selbst reingehen, bekamen erst einmal einen Wee Dram und sofort einen Platz in der nächsten Führung. Dieses Mal bemerkten wir schon an der Vielzahl der geparkten Wagen auf dem Parkplatz und der neuen Ausschilderung zum separaten Besucherzentrum, dass sich die Zeiten geändert hatten.
Mit viel Glück erwischten wir noch zwei Plätze in der nächsten Führung, das Paar nach uns musste schon eine weitere halbe Stunde warten.

Alles war inzwischen viel professioneller aufgezäumt und leider ist halt mein Gedächtnis zu gut, um zu vergessen, wie nett und familiär es damals zugegangen ist. Mein Mann hat sich nicht mehr erinnert, der Glückliche! ;-)
Aber mei, so ist halt der Lauf der Dinge. Ist ja klar, wenn die Destille täglich von Touristen "gestürmt" wird, dann müssen die halt aufrüsten. Und klar ist auch, dass niemand in Schottland auf die Einnahmequellen verzichten kann. Schade finde ich es dennoch, dass "mein" Schottland immer mehr verschwindet.



Die nächsten Tage kam er dann, der angekündigte Sturm mit Windböen, Regenschauern und einem krassen Temperatursturz. Ich fand es herrlich! :)
Ich hätte jetzt nicht drei Wochen von diesem Wetter haben wollen, aber die zwei Tage verbrachten wir einfach eingeigelt in unserem Cottage, vertrödelten den Tag, guckten den Riesenwellen in der Bucht zu und bedauerten ein wenig die Schafe, die aufpassen mussten, nicht über die Klippen geweht zu werden.




Zwar galt die Fünf-Minuten-Regel in den Sturmtagen nicht (es gibt ein Sprichwort, dass man, sollte einem das Wetter in Schottland nicht gefallen, man einfach fünf Minuten warten solle), aber nachdem sich der Sturm ausgetobt hatte, riss die Wolkendecke einfach wieder auf und ein herrlicher Tag begann.

Dieses Mal brachen wir in Richtung Osten auf, um Trotternish gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden. Als wir das letzte Mal auf Skye waren, hatten wir ja das eine oder andere dort ausgelassen, weil wir nur anderthalb Tage dort verbrachten. Also holten wir das jetzt nach. Zuerst einmal besuchten wir Flora MacDonalds Grab.




Direkt neben dem Friedhof liegt das Skye Museum of Island Life, das wir dieses Mal aber nicht erneut besucht haben.









Wir fuhren lieber weiter in Richtung Süden und hielten am Kilt-Rock-Parkplatz, um dort einen ersten Overkill an vor allem spanischen und asiatischen Touristenbussen zu erleben. So viele Touristen habe ich in Schottland noch nie auf einem Haufen gesehen!

Vor allem die Spanier habe ich als extrem lästig erlebt. Schlurfenden Schrittes in Gummistiefeln, laut quakend und schnatternd, ihren Müll überall hinwerfend ...

Es war eine gigantische Erholung als der Reiseleiter zum Aufbruch drängte und alle wieder in ihre Busse verschwanden. Für einen kurzen Moment hatten wir den Kilt Rock fast für uns alleine.


Kilt Rock

Am Parkplatz von dem aus man zum Old Man of Storr wandern kann, sahen wir schon von der Straße aus, dass die Touristenbusse nun hier standen. Wir verzichteten also lieber dankend darauf und hielten erst ein ganzes Stück entfernt am Straßenrand an, um einen Blick zurück auf den alten Mann zu werfen.


Old Man of Storr

Bei unserem ersten Besuch auf der Isle of Skye war die Straße zwischen Portree und dem nördlichsten Zipfel von Trotternish nur eine Single Track Road. Unsere erste Erfahrung mit der Einzelstraße und wir hatten regelrecht ein wenig Angst davor - vor allem, weil dies damals die längste Etappe unserer Reise war und wir nicht abschätzen konnten, wie lange wir dafür benötigen würden.
Inzwischen ist die Straße komplett ausgebaut, die Single Track Road ist verschwunden. Bei der Vielzahl von Touristenbussen ist das sicherlich auch dringend erforderlich geworden. Für mich war es wieder ein Beweis, dass Schottland sich sehr verändert. Und das - für mich - leider nicht zu seinem Vorteil. Nun denn, ich werde micht wohl an den Fortschritt gewöhnen müssen.


Bevor wir die Isle of Skye wieder verlassen mussten, begaben wir uns noch auf eine kleine Shopping-Tour nach Waternish. Bereits bei einer früheren Übernachtung (ich meine, es war bei Ayleen in Onich) entdeckte ich in den Touristeninformationen zwei interessante Ziele.

Zum einen gab es pflanzengefärbte Wolle, was mich natürlich enorm interessierte. Erst viel später entdeckte ich, dass die Shilasdair-Wolle eine große Bekanntheit hat. Als ich den Shop besuchte, war leider eine etwas mufflige Verkäuferin anwesend, die kein Wort mit uns wechselte. Die Wolle ist tatsächlich sehr schön und die Farben sind von einer Leuchtkraft, die man sonst wohl nur mit Säurefarben hinbekommt.
Leider hatte ich kein besonderes Projekt im Sinn, deshalb habe ich ein wenig planlos ein paar Stränge gekauft, die mir von der Farbe her gut gefielen. Bis jetzt habe ich noch kein passendes Strickobjekt dafür gefunden. Mal sehen, was ich daraus mache.








Der nächste Halt war bei den Skye Skyns, die Leder und Schaffelle herstellen. Hier war der Ablauf so, wie ich es von Schottland her kenne. Man tritt in die Werkstatt ein und wird sofort von einem freundlichen, liebenswerten Schotten begrüßt, der einem persönlich zeigt, wie man aus einer Schafshaut ein kuscheliges Fell macht.

Die "Tour" endet in einer Art Verkaufsraum und natürlich haben wir etwas gekauft, auch wenn wir leider erst zu Hause festgestellt haben, dass wir jetzt ein Merinoschaf aus Neuseeland auf unserem Sofa liegen haben, das einen Umweg über Schottland gemacht hat.
Tja, eigentlich wollten wir ja etwas von den Isle of Skye haben. Aber selbst schuld, dass wir nicht vor Ort auf die Rückseite des Fells geguckt haben. Da stand das klar und deutlich drauf.


Der letzte Tag in unserem Cottage brach an und schweren Herzens tranken wir unsere letzte Tasse Tee im Sonnenzimmer. So schnell war eine Woche vorbei gegangen!
Zwar würden jetzt noch ein paar Tage in den Highlands folgen, aber der eigentliche Höhepunkt war vorbei.

Mit einem letzten Blick auf unsere tierischen Nachbarn packten wir unser Zeugs wieder ins Auto und verließen die Isle of Skye, um aufs Festland zurück zu fahren.



Es war natürlich sehr schön auf Skye, das ist keine Frage. Aber gerade Skye hat sich sehr verändert und versucht momentan, den Tourismus enorm anzukurbeln. Verständlich für diejenigen, die vom Tourismus leben müssen. Für diejenigen, die nach Schottland kamen, weil es dort anders war, aber eine eher ungute Entwicklung.

Wir sollten entdecken, dass es in den Highlands ruhiger und Tourismusärmer war, als auf Skye. Bei unserem ersten Besuch war das genau anders herum.