Freitag, 9. März 2012

Knisterangst






Mein Flauschemory war bis jetzt keine (und wird vermutlich nie) besonders mutige Katze. Das zeigte sich schon bei der "Erstbesichtigung", als er mir nicht besonders auffiel, weil er sich in ein Kuschelkissen in der hintersten Ecke verkroch.
Als er bei uns einzog, lebte er die ersten Tage fast ausschließlich unter dem Sofa. Nur wenn ich mich ganz ruhig verhiel, kroch er gaaaaanz vorsichtig und platt wie eine überfahrene Kröte durchs Zimmer, um bei der kleinsten Bewegung meinerseits sofort wieder unters Sofa zu huschen.

Irgendwann hatte er aber kapiert, dass ich kein böses Ungeheuer bin und meine Hände hervorragend dazu geeignet sind, ihn so lange von Kopf bis Fuß durchzukraulen, bis er sabbernd alle viere von sich streckt. *g*

Sobald ich mich irgendwo hinsetze und Mory nicht gerade auf Outdoor-Erkundungstour ist, sitzt er auf oder neben meinem Schoß. Manchmal ist das richtig lästig und ich bin froh, dass inzwischen auch der Schoß von Herrn Samrow ab und zu als Liegefläche benutzt wird (vor allem, wenn er seine Flauschvliesgammelhose an hat - also mein Mann, Mory trägt so etwas ja eigentlich immer ;-)).

Die Scheu vor aufrecht gehende Menschen hat Mory sich aber nie abgelegt. Selbst bei uns, die er ja nun doch schon ziemlich gut kennt, jagt er im Schweinsgalopp davon oder versteckt sich unter einem Stuhl, sobald wir uns ihm nähern. Auch weiß er ganz genau, wenn ich etwas von ihm will (Medizin eingeben, Zecken entfernen, etc.). Sobald ich das im Sinn habe, sehe ich ihn nicht mehr, selbst wenn ich stundenlang auf dem Sofa sitze.

Das war ziemlich doof als ich ihm eine Woche lang täglich ein Medikament gegen seine Pilzerkrankung verabreichen musste. Was blieb mir also anderes übrig, als ihn jeden Abend vom Futternapf wegzupflücken? Und zwar bevor er richtig loslegte zu Fressen, um überhaupt die Chance zu bekommen, ihm das Mittel auf leeren Magen zu geben. Was war ich froh, als diese Woche endlich vorbei war!

Noch wochenlang später hat er mir das nicht verziehen und ist jeden Abend erst an seinen Futternapf gegangen, als ich die Küche verlassen habe. Nur abends übrigens, morgens ist er gleich über sein Futter hergefallen - so ein schlauer Bub! ;-)
Inzwischen ist er zwar immer noch extrem vorsichtig und versteckt sich lieber noch ein bisschen unter einem Hocker, wenn ich die Näpfe hinstelle aber dann kommt er doch recht zügig nach vorne und fängt an zu fressen.

Bei ihm wäre es absolut undenkbar, ihn während des Fressens zu berühren! (Winnie ist da ja völlig unkompliziert, die nehme ich auch mal eben hoch und verfrachte sie an den richtigen Napf - weil Madam mal wieder gucken musste, ob sich in den anderen Näpfen nicht etwas besseres befindet).

Womit man Mory jedoch auf jeden Fall umgehend aus der Küche oder von sonst irgendeinem Fleck vertreiben kann ist das Knistern einer Tüte. Beim ersten Mal dachte ich noch, dass er vielleicht gerade von Winnie getriezt worden ist, als er fluchtartig Fersengeld gab. Doch dann stellte ich recht bald eine deutliche Verknüpfung fest. Sobald man mit einem Müllbeutel raschelt, sieht man nur noch einen rotweißen Strich.

Offenbar gibt es wohl mehrere Katzen, die so gestresst auf das Knistern reagieren, zumindest habe ich einige Einträge darüber im Internet gefunden.


Was auch immer Mülltüten für ein gefährliches Objekt sind - wir werden es wohl nie erfahren. Aber Katzen wissen ja manchmal mehr als wir, also gebt gut acht ... :muhahaha: <- schauerlicheslachen