Montag, 27. Februar 2012

Vertussing

Ich kann nicht einmal genau sagen, wann das eigentlich begonnen hat, das war mehr so ein schleichender Prozess. Gut, ich war jetzt kein ungepflegter Schrubber (behaupte ich zumindest einmal), aber ich war halt mehr so der eher ungeschminkte Standardtyp in Jeans, T-Shirt und mit unlackierten Nägeln. Wenn es hoch kam, durfte mal ein bisschen Puder und Wimperntusche aus meiner sehr überschaubaren Schminkbox an mich dran.

Aber wenn ich jetzt eine kleine Statusüberprüfung an mir selbst durchführe, entdecke ich eine ziemlich Vertussung in der letzten Zeit. *g*

1. Taschengedöns
Früher hatte ich eine große Schultertasche von Barbor (aus knubbeligem, verblichenen Wachstuch, wie einen altgediente britische Jacke) in der mein ganzer Krams drin war und die ich eigentlich nur mit ins Büro genommen habe. Die war so groß, dass meine Wasserflasche und meine Vespertupperbox auch reinpasste. Also morgens schnell über die Schulter geworfen und ab damit. In meiner Freizeit hatte ich nie eine Tasche dabei. Schlüssel, Papiere, Geldbeutel und Handy stopfte ich in irgendeine Jacken- oder Hosentasche, etwas anderes brauchte ich nicht.

Jetzt habe ich eine schicke Handtasche aus Leder mit verschiedenen Fächern in die ich meinen Krams ordentlich verstaue und die ich überall hin mitnehme. Also das volle Damenequipment mit Lipgloss, Handcreme, Taschentücher, Brillenputztuch, Taschenkalender, Kugelschreiber, Abschminktuch, Kompaktpuder, Nagelschere, Feile ... Habe ich früher eine Bekannte belächelt, die ständig in ihrer Tasche herumkramste und hier die Lippen nachzog und dort ihre Hände eincremte, mach ich das jetzt auch.


2. Schminkgedöns
Früher besaß ich eine Dose mit losem Puder, eine Wimperntusche, einen Lipgloss, einen farblosen Nagellack und einen roten Nagellack (den ich allerdings ausschließlich auf meinen Zehennägel lackierte).

Jetzt habe ich erst am Wochenende meine ständig umfangreichere Nagellacksammlung aus der Badezimmerschublade ausziehen lassen und trage im Moment einen O.P.I. im Farbton "We'll always have Paris". Letzte Woche trug ich "You don't know Jacques", auch von O.P.I.
Wem das alles nichts sagt, grämt Euch nicht, mir ging das bis vor kurzem auch so. *g*
 
Mein Badezimmerschränkchen kann längst nicht mehr alles aufbewahren, was ich an Schminkutensilien habe. Inzwischen habe ich ein Extra-Glasregal, auf dem in kleinen Seegraskörbchen meine Pinsel, Lipglosse, Concealer, Nyx-Stifte und Lippenstifte stehen.

Eine Etage weiter unten stehen weitere Seegraskörbe auf einer Vormauerung, die ich inzwischen völlig mit meinem Krams belegt habe (Herr Samrow beschwert sich schon ;-)). Ein Körbchen trägt das Thema Haare und beinhaltet zwei Sorten Haarspray, einen Tiegel Haarwachs, ein Hitzeschutzserum und einen Tiegel Haarkur. Ein zweites Körbchen ist die Körperpflegeabteilung mit einem halben Dutzend Cremes, Lotions und Pflegeriegeln, die inzwischen auch JEDEN Tag zum Einsatz kommen. Ein drittes Körbchen ist die Nagel- und Handpflegeabteilung mit Nagelhautcremes, Nagelöl, Handcremes. Und in einem vierten Körbchen liegen mindestens zwanzig Lidschattentöpfchen samt zwei verschiedener Lidschattenbases (Artdeco und Zoeva).

Aus jedem dieser Körbchen wird auch tatsächlich täglich etwas verwendet.


3. Schuhe
Früher hatte ich eigentlich hauptsächlich praktische Schuhe an. Ganz flache Halbschuhe oder Turnschuhe. Ich besaß zwar schon auch elegante Pumps, aber die mochte ich nicht.

Jetzt trage ich eigentlich mindestens 4-5 cm Absatz, zwischendurch auch mal 6-7 cm. Höher mag ich nicht, das finde ich weiterhin unbequem. Aber ich finde mit ein bisschen Absatz wirkt der Gang einfach viel eleganter, auch wenn ich weiterhin keine filigranen Highheels trage. Ganz flache Schuhe mag ich nur noch als Hauspuschen oder Sportschuhe.


4. Allgemeine Erscheinung
Früher dachte ich, dass ich halt eher der burschikose, sportliche (hah! sorry, aber unsportlicher als ich ist wohl niemand auf Erden) Typ bin. Trug ich etwas anderes als Jeans fühlte ich mich unwohl und verkleidet.

Inzwischen bin ich offenbar alt genug, um mich weiblicher und eleganter zu kleiden und mich irgendwie gut zu fühlen. Auch die lackierten Fingernägel und das Makeup tragen dazu bei, dass ich insgesamt wohl ein stimmiges Bild abliefere (nein, ein Foto wird es dennoch nicht geben ;-)). Zumindest fühle ich mich so wohl, dass ich das im Moment auch ausstrahle. So viele Komplimente wie zur Zeit habe ich schon lange nicht mehr bekommen.

Es stimmt wohl schon, dass man so ungefähr alle zehn Jahre in eine andere Lebensphase eintritt. Dieser Wandel hat jetzt offenbar bei mir mal wieder stattgefunden. Solange sich das so positiv auswirkt, habe ich definitiv nichts dagegen.