Montag, 12. Dezember 2011

Schottische Musik - Teil 3

Nach Bagrock in Teil 1 und handgemachter Folkmusik in Teil 2 nun zur dritten Veranstaltung innerhalb weniger Wochen:

Die Schottische Musikparade gastierte im Hegelsaal der Stuttgarter Liederhalle. Dudelsackspieler, Trommler, Musiker, Sänger und Tänzer - angeblich tatsächlich aus Schottland kommend - spielten Klassiker wie Highland Cathedral, Caledonia, Loch Lomond, Dark Island, Scotland the Brave und einiges mehr.

Allerdings muss ich sagen, so richtig vom Hocker hat mich (und auch Herrn Samrow) das nicht gerissen. Die Akteure waren gewiss nicht schlecht und bemühten sich redlich, aber der berühmte Funke sprang einfach nicht über. Das hat zum größten Teil an den Zuschauern gelegen, die leider auch nicht besonders zahlreich erschienen waren (der Saal war nur zur Hälfte gefüllt) aber manchmal hatte ich auch das Gefühl, dass die auf der Bühne gar keine großartige Lust zum Spielen hatten.

Ein Teufelskreis, der schon mit der Wahl der Location begann. Die Liederhalle ist, im Gegensatz zur Schleyerhalle oder Porschearena, ja eher eine kleinere Veranstaltungsörtlichkeit, zu der klassische Konzerte oder Kabarett-/Comedyauftritte passen. Also die etwas leiseren Töne, die gut gehört werden wollen.

Bei dreißig Pipern auf der Bühne sollte man also schon davon ausgehen, dass die Bude gerockt wird, bis die Ohren wegfliegen. Wenn allerdings in den ersten zehn Reihen nur Zuschauer sitzen, die wohl versehentlich auf dem Weg zum Rachmaninow-Klavierkonzert falsch abgebogen sind und nicht einmal dann mitklatschen, wenn die Akteure regelrecht darum betteln - dann können auch die klatsch- und mitmachfreudigeren Hinterbänkler nichts mehr ausrichten, die zudem nur spärlich gesät in den leeren Reihen saßen.

Wirklich schade, so richtig Stimmung ist erst aufgekommen, als die komplette Truppe am Ende der Veranstaltung aus dem Saal marschierte und einfach im Foyer weiterspielt. Dort war die Akustik völlig anders, die Zuschauer bildeten einen Kreis, klatschten und wippten mit und zeigten endlich die Begeisterung, die ich den ganzen Abend vermisst hatte.

Das war letztes Jahr ganz anders, als wir die Musikschau Schottland in der Schleyerhalle besucht haben. Dass "Schottische Musikparade" und "Musikschau Schottland" zwei Paar Stiefel sind, wurde uns leider erst danach klar. In der Schleyerhalle traten knapp 100 Piper gleichzeitig auf der riesigen Bühnenfläche im Innenraum auf. Trotz der viel größeren Halle war die Akustik grandios und mir lief jedes Mal ein kalter Schauer über den Rücken, wenn ein neues Lied angestimmt wurde. Obwohl auch die Schleyerhalle nicht ausverkauft war, waren die Zuschauer hellauf begeistert von den Vorführungen und es war eine richtig schöne Atmosphäre. Einfach ein sehr gelungener Abend - deshalb haben wir uns ja auch gleich wieder Karten besorgt, als ich etwas von Schottischer Musikparade in der Zeitung las.

Statt für 55 € fast 200 Akteure auf 4200 m² Bühnenfläche in der Schleyerhalle, zahlten wir dieses Mal 62 € für 250 m² für höchsten 50 Akteure. Ich will das jetzt nicht als Maßstab nehmen, aber es macht halt schon einen Unterschied, was man für sein sauer verdientes Geld geboten bekommt.
Vielleicht waren andere da schlauer als wir und verzichteten gleich auf diese Veranstaltung, um lieber wieder zur großen Musikschau zu gehen. Genau das werden wir in Zukunft auch tun - oder gleich endlich mal zum richtigen Tatoo nach Edinburgh gehen!