Montag, 28. November 2011

Schottische Musik - Teil 2

Nach dem Bagrock der Red Hot Chilli Pipers nun zum zweiten Teil meines schottischen Musikjahresendes - meinem persönlich Highlight.

Am Freitag waren wir bei North Sea Gas in der Neckarmühle in Mundelsheim. Zum dritten Mal, jedes Jahr immer im November.

North Sea Gas hat nichts mit Erdölförderung in der Nordsee zu tun, das sind drei richtige Vollblutmusiker, die teilweise seit über dreißig Jahren durch Europa, USA & Canada reisen und handgemachte schottische Folkmusik spielen.  
Mit Gitarren, Mandolinen, Banjo, Fiddle, Bouzouki, Flöten und Bodhran wird einmal quer durch das schier unerschöpfliche Repertoire schottischer Folkmusik gespielt. Stampfende Mitklatschlieder wechseln sich mit traurigen Balladen und schwindelerregenden Fiddletunes ab. Dazwischen immer mal wieder ein paar nette kleine Gags und Spielereien mit den Besuchern.

Am besten sind die drei, wenn man sie live erlebt. Eine kleine Kostprobe davon aus dem Jahr 2007 kann man sich auf der Homepage der Band hier kostenlos downloaden. 


 
Aber auch die CDs, die man auch auf Amazon oder iTunes kaufen und downloaden kann, sind absolut empfehlenswert.

Meiner Meinung nach liefern Ronnie MacDonald, Grant Simpson und Dave Gilfillan die besten Versionen der Klassiker Flower of Scotland, Loch Lomond und Caledonia. Als Dave am Freitag Caledonia sang, hatte ich Tränen in den Augen, weil ich deutlich die Sehnsucht nach Schottland aus seiner Stimme heraushören konnte - und selbst auch so empfand. Was bin ich froh, dass wir nächstes Jahr wieder eine Reise dorthin planen!

Ronnie MacDonald, genannt "Mac" sang mein Lieblingslied aus der gleichnamigen CD Dark Island. 




Und Grant, der Fiddler, spielte Callum's Road, eines meiner absoluten Lieblings-Tunes. 

Die absolute Krönung war jedoch für mich die spezielle Zugabe für Hans aus dem Neckarmühlenteam. Nur einmal im Jahr, nämlich genau dort singt Dave "Leezie Lindsay". Das ist so ein wunderschönes Lied, dass ich immer ganz ergriffen bin. Das sollten sie wirklich wieder in ihr Standardrepertoire aufnehmen und vor allem auch mal auf einer Live-CD veröffentlichen.

Insgesamt war es ein Abend, der absolut perfekt für mich war. Nette Leute am Tisch, meine Lieblingslieder wurden gespielt, ich habe "Mac" die Hand geschüttelt und kurz mit Dave und Grant geredet. Ich weiß nicht, ob das Drumherum bei den Konzerten von North Sea Gas jedes Mal so abläuft, aber zumindest in der Neckarmühle ist das völlig familiär. Sozusagen mit Musikern zum Anfassen, die absolut keine Starallüren haben und selbst in der Pause stets zum Autogrammeschreiben und für eine kleine Plauderei bereit sind und sich nach dem Konzert zu den Besuchern in den Gastraum setzen.

Wie schade, dass die Neckarmühle jetzt aus finanziellen Gründen schließen muss und es keine weiteren Konzerte mehr dort gibt. Zum Glück habe ich jedoch entdeckt, dass North Sea Gas nächstes Jahr im April in Kirchheim/Teck spielen, was eine viel kürzere Fahrzeit für uns bedeutet.






Donnerstag, 10. November 2011

Schottische Musik - Teil 1

In diesem Herbst finden innerhalb weniger Wochen gleich drei Veranstaltungen mit schottischer Musik in unserer Gegend statt, die wir natürlich alle besuchen werden. Und zwar in drei Varianten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Vorgestern Abend fand der erste Teil statt:

Die Red Hot Chilli Pipers spielten im LKA-Longhorn in Stuttgart.

Die Pipers sind drei Dudelsackspieler, die zusammen mit einer Rockband auftreten und etwas spielen, das sie selbst als Bagrock bezeichnen. Also eine Mischung aus Bagpipes (Dudelsack) und Rockmusik.

Schottische Dudelsackpuristen sind hier fehl am Platz, zwar ertönen z.Bsp. auch Klassiker wie Highland Cathedral und andere tradionelle Dudelsackmelodien, aber eben immer in Begleitung der anderen Instrumente wie Schlagzeug, E-Gittarre, Bass, Keybord und einer Snare Drum.

Gekleidet in schwarze Hemden und schwarzen Kilts mit feuerrotem Sporran begeistern die Piper innerhalb von kürzester Zeit das ganze Publikum. Wir waren jetzt zum zweiten Mal bei einem Konzert und stellten fest, dass man einfach nicht ruhig stehen bleiben kann, wenn da vorne losgelegt wird. Es ist kaum zu beschreiben, was die drei mit den Bagpipes veranstalten können, das muss man selbst erleben.

Ich versuch mal ein Youtube-Video einzubetten, mal sehen ob das klappt:




Auch wenn ich sonst eher nicht so auf Rockmusik stehe (bin ja eher mit der 80er-Synthie-Pop-Musik aufgewachsen), finde ich grandios, wie die ihr Instrument beherrschen.
Ein bisschen negativ fand ich, dass das diesjährige Konzert fast völlig identisch mit dem letztjährigen war. Gleiche Lieder, gleiche Sprüche, gleiche Witze. Ist nicht dramatisch, so einmal im Jahr kann man das schon angucken, ohne dass es gleich langweilig wird. Aber ein paar neue Sachen erwartet man halt schon.

Nichts desto trotz ist ein Konzert der Red Hot Chilli Pipers ein geniales Erlebnis, das man als Schottlandfan einmal erlebt haben muss. Die Deutschlandtour geht noch eine Weile, wenn sie also demnächst bei Euch in der Nähe sind, geht hin!


Mittwoch, 9. November 2011

Katzenregeln

Katze bei uns zu sein, heißt (meiner Meinung nach) ein ziemlich freies Leben zu haben.

Die Katzenklappe im Keller ist nur an Silvester und (seit neuestem auch) an Halloween verschlossen. Es steht ihnen frei, zu kommen zu gehen wie es ihnen beliebt. Draußen ist unser Garten, danach eine 30er-Straße, die in einer Sackgasse endet und danach kommen Felder, Obstbaumwiesen und kleinere Buschgehölze, in denen es vor Mäusen nur so wimmelt (jetzt vielleicht nicht mehr so - Winnie dezimiert die Population ja gewaltig ;-)).

Der Futtertrog wird zweimal am Tag gefüllt, mehrere Wassernäpfe stehen überall verteilt herum und im Keller gibt es ständig sprudelndes Nass im Katzenbrunnen.

Ein großer, stabiler Kratzbaum, auf dem alle drei genügend Platz und verschiedene Auf- und Abstiegsmöglichkeiten gibt, steht zur Verfügung.

Es gibt ungefähr drölfmillionen ungestörte Schlafplätze (offizielle und auch genügend inoffizielle ;-)). Wenn es ihnen danach ist, gibt es Streichel- und Kuscheleinheiten, immer mal wieder ein Leckerchen und ausgiebige Spielzeiten.

Im Gegenzug verlange ich die Einhaltung gewisser Regeln. Katzen kann man nämlich sehr wohl erziehen, man muss nur einen langen und konsequenten Atem haben.

Regel Nr. 1
Katzen gehören nicht auf den Esstisch.

Regel Nr. 2
Katzen gehören nicht auf die Küchenarbeitsfläche.

Regel Nr. 3
Die Schlafzimmertür bleibt zu.


Regel 1 + 2 kann ich natürlich nur kontrollieren, wenn ich auch zu Hause bin. Ob die Katzen auf den Tischen tanzen, wenn die Dosis aus dem Haus sind, weiß ich nicht. Aber solange ich da bin, sind diese Flächen tabu. Das klappt erstaunlicherweise richtig gut.

Selbst bei Winnie, bei der ich mit weitaus mehr Widerstand gerechnet hätte, reichten ein paar sehr scharfe "Runter!", bis sie die katzenfreie Zone akzeptierte. Mory ist da ja ein richtiger Streber. Man sieht im deutlich an, dass es ihm fürchterlich unangenehm ist, wenn er einen Fehler macht. Er windet sich wie ein Aal, wenn man ihn bei etwas ertappt und versteckt sich erst einmal unter dem Tisch, wenn ich mit ihm schimpfe, um dann kurz darauf mit vollem Schmusekörpereinsatz "gut Wetter" zu machen.

In den letzten Wochen ist es vor allem Sammy, der immer mal wieder antestet, ob er nicht Dinge tun darf, die den anderen verboten sind. So lag er kürzlich "grottabroit"*1 schlafend auf dem Esstisch. Und erst jetzt am Sonntag ertappte ich ihn dabei, wie er bis zum "Näbele"*2 zum Krümelsuchen in der leeren Brötchentüte steckte - die auf der Küchenarbeitsplatte lag, während wir gerade im Esszimmer frühstückten.
Da Sammy ja ein paar Privilegien genießt, um seinen Status als Erstkatze zu verdeutlichen, meint er wohl, dass dazu vielleicht auch die Nichteinhaltung der unumstößlichen Regeln gehört. Pustekuchen, mein Freund!


Regel Nr. 3 ist ein wenig schwierig und manchmal etwas verwässert, weil ich persönlich nicht so richtig dahinterstehe. Eigentlich mag ich ja Katzen im Bett. Es gibt für mich fast nichts Schöneres als das beruhigende Schnurren und einen kleinen pelzigen Körper, der sich an einen schmiegt. Lacht nicht, aber weil die Schlafzimmertür geschlossen ist und das einen ziemlichen Schnurrmangel bedeutet, habe ich mir eine CD mit Katzenschnurren gekauft und auf den iPod gespielt.
Das mit der geschlossenen Schlafzimmertür ist jetzt aber nicht nur auf Herrn Samrow zurückzuführen, der auf diese Regelung von Anfang an beharrte. Auch ich habe, ehrlich gesagt, wenig Lust darauf, mein Bett mit frisch erlegten oder - was tatsächlich schon vorkam :schauder: - lebenden Mäusen zu teilen. Ganz abgesehen von den Dreckpfotenabdrücken und dem halben Pfund krümeliger Erde, das zwischen den Krallen hängt, wenn die frisch von draußen ins Bett hüpfen.

Und was bei Freigängerkatzen mit offenem Zugang zum Bett auch vorkommen kann:
Wegen meiner nächtlichen Hustenanfälle (mich quälte gerade eine heftige Bronchitis) bin ich in den letzten Nächten immer mal wieder aufgestanden und habe den Rest der Nacht im Gästezimmerbett (Herr Samrow soll ja schlafen können) verbracht. Das wollte ich auch kürzlich tun. Im Halbschlaf tappte ich also ins Gästezimmer, fuhr noch kontrollierend über die umgeklappte Zudecke, um eventuellen Pfotenkrümel und Haare wegzuwischen (Sammy schläft ab und zu auf der Decke), legte mich hin und deckte mich zu.

Meine Hand ertastete plötzlich etwas Seltsames. Bröselig, schmierig, mauskopfgrößiges ...  :eek:
Natürlich sprang ich sofort aus dem Bett, schaltete das Licht an und klappte die Zudecke komplett um. In dem Moment hätte ich fast gereihert. Ein zermatschtes Etwas pappte an der Bettdecke, das Laken war völlig verschmiert, selbst die Tapete an der Wand war mit etwas verspritzt, was ich heute früh als Vogelkot identifizierte. Da muss also irgendeine Mietzbratze ihren Vogelsnack mit ins Gästebett genommen und dort zerlegt haben. Unter der Decke. So dass äußerlich nichts, aber auch gar nichts zu sehen war (außer den Spritzern an der Tapete, aber im Halbschlaf hatte ich da nicht hingeguckt). Ich bin dann doch wieder in mein eigenes Bett zurückgekehrt und habe meinem Mann etwas vorgehustet.


Deshalb halte ich mich meistens an Regel Nr. 3 - nur manchmal, wenn Winnie schon mal ins Bett huscht, während wir gerade schlafen gehen, darf sie bleiben. Sie macht aber auch kein Theater, wenn ich sie in den frühen Morgenstunden (wenn sie anfängt, auf mir herumzutrampeln), vor die Tür setze. Eigentlich wird die verschlossene Schlafzimmertür akzeptiert und verstanden, dass es ein ganz besonderes Privileg ist, wenn sie geöffnet ist.




*1 grottenbreit = schwäbischer Ausdruck, eigentlich unübersetzbar, eventuell mit "breit gemacht hinlegen" erklärbar

*2 Bauchnabel