Donnerstag, 28. Juli 2011

Mythos Einzelkatze

Es gibt ja Tiere, die einen Artgenossen nur dann in ihrer Nähe dulden, wenn Paarungszeit ist. Lange Zeit dachte man das auch von Katzen. Ich will mich da gar nicht ausnehmen, vor zehn Jahren dachte ich das nämlich auch noch.

Inzwischen hat sich das Einzelkatzendenken jedoch als falsch herausgestellt - nur ist diese Erkenntnis leider noch längst nicht in allen Köpfen angelangt. Katzen sind zwar keine Rudeltiere wie Hunde, aber sie mögen Gesellschaft!

Gestern kommt meine Chefin freudestrahlend zu mir und erzählt mir, dass ihre Nachbarn sich ein Karthäuserkätzchen angeschafft hätten, das wäre sooooo knuffig! Sie war ein wenig überrascht, als ich nicht mit der gleichen Begeisterung reagierte und eher traurig darüber war.
Die Nachbarn waren auch schon einmal Kunden von uns, deshalb kenne ich sie. Beide sind weit über sechzig und von der Sorte vergeistigtes Professorenehepaar. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die mit einem kleinen Kätzchen durch die Gegend tollen und spielen. Und selbst wenn ich mich täusche und der Herr Professor in seiner Freizeit ein völlig anderer Mensch ist, so können die doch niemals eine Katze ersetzen! 

Ich habe mal ein Beispiel gelesen, das die Situation recht gut erklärt: 
Das ist so, als würde man ohne jeden Kontakt zu anderen Menschen leben müssen ( also auch ohne Fernsehen/ Radio/ Internet/Telefon) und das vom Kleinkindalter an - und als einzige Gesellschaft hat man  einen Gorilla oder einen Goldfisch.

Das Kätzchen muss also mutterseelenallein mit zwei alten verschrobenen Leuten aufwachsen und wird zu einem Einzelkatzendasein verdammt, obwohl es sicherlich liebend gerne wenigstens ein Geschwisterchen zum Spielen, Schmusen und Putzen an der Seite gehabt hätte.

Wenn ich meine beiden Whiskys sehe, wie sie dicht aneinandergekuschelt liegen oder sich gegenseitig das Köpfchen putzen, geht mir das Herz auf.



Gleichzeitig bin ich auch sehr traurig, weil ich meinem Großen jegliche Katzengesellschaft verweigert habe und er als Einzelkitten aufwachsen musste. Jetzt hat er zwar Gesellschaft von den Whiskys, aber das ist nicht das Gleiche, auch wenn es schon viel besser als vorher ist. 


Tipps für eine Autorundreise durch Schottland

  1. Die Etappen kurz halten
    Schottland ist kein Land, das man im Schnelldurchgang durchrasen sollte. Unsere erste Reise beeinhaltete Etappenlängen von bis zu 250 km, auf der zweiten Reise haben wir schon auf höchstens 150-200 km reduziert, bei der nächsten Reise wird das nochmals auf höchstens 100 km am Tag gekürzt. Die schönsten Tage waren die, an denen wir uns einfach ohne jeglichen Zeitdruck treiben lassen konnten.
  2.  Hotels und B&B's
    Wer nach einem langen Reisetag nicht auch noch am Abend ins Auto sitzen möchte, sollte darauf achten, wo die Hotels und B&B's liegen. Es ist heute ja kein Problem mehr, vor der Buchung mal die Lage in Google Maps abzuchecken. Im Norden sind Hotels direkt an der Hauptstraße absolut buchbar, im Süden (in der Nähe der großen Städte) ist das eher zu vermeiden.
    Das Buchen über Buchungsportale ist bequem und manchmal auch günstiger, falls es jedoch nicht viel Auswahl in der gewünschten Region gibt, ruhig auch mal selbst auf die Suche gehen. Das Buchen über E-Mail funktioniert völlig problemlos.
  3. Gepäck
    Bei unserer ersten Rundreise hatte jeder von uns eine große Reisetasche, die wir jedes Mal beide in die Häuser schleppen mussten - oft, bzw. immer lag unser Zimmer in den oberen Etagen.
    Bei unsere zweiten Reise mit dem eigenen Auto haben wir unsere Kleidung in zwei Plastikboxen gepackt, die immer im Auto blieben. Zusätzlich hatten wir einen kleinen Handkoffer dabei, in dem unser Wasch-/Schlafzeug deponiert war und in den wir vor dem Einchecken die für den nächsten Tag gewünschte Kleidung packten. So hatten wir immer nur ein kleines Köfferchen im Hotelzimmer. Und falls wirklich etwas fehlte, war das Auto ja nicht weit. Das hat sich wirklich bewährt!
  4. Linksfahren
    Die größte Schwierigkeit, die wir bei der ersten Reise mit dem Linksfahren hatten, war das Schalten mit der "falschen" Hand im Mietwagen, weshalb wir uns vornahmen, dass wir, sollten wir jemals wieder mit Flugzeug + Mietwagen in Schottland unterwegs sein, auf jeden Fall einen Automatikwagen mieten. Wir sind ja auch beim eigenen Wagen daran gewöhnt, aber auch wer sonst mit Schaltgetriebe fährt dürfte diese Umstellung schneller intus haben und das Schalten dann einfach vergessen, als sich ständig zu verkünsteln (Linkshänder vielleicht ausgenommen ;-)).
    Auf Schottlands Straßen ist auch der zunächst ungewohnte Linksverkehr kein Problem. Der Straßenverkehr ist überschaubar (wenn man nicht gerade in Glasgow oder Edinburgh unterwegs ist) und die Einheimischen fahren zwar schnell (auf Singletracks am besten gleich am nächsten Passing Place halten und vorbei lassen) aber sehr freundlich.
  5. Zusatzdecke
    Wer nicht gerade ein Extremkuschelschläfer ist, sollte darüber nachdenken, eine Zusatzdecke mitzunehmen. Vor allem in B&B's sind die Betten meistens nur 1,40 - 1,60 m breit und verfügen nur über eine große Zudecke. In Hotels trifft man manchmal breitere Betten an, aber die Vorliebe für die Einzeldecke bleibt. Ich liebe meinen Mann sehr, aber wenn ich schlafen will, brauche ich meinen Freiraum. Auch brauche ich immer ein gewisses Quantum an Stoff um mich herum (vor allem in den kühlen schottischen Nächten).Wenn nun zwei Personen sich mit nur einer Decke zudecken müssen und dabei nicht aneinanderkleben, bleibt eine Frischluftzonenlücke dazwischen. Deshalb habe ich während unserer ersten Reise fast jede Nacht gefroren und zum Schluss lieber Einzelbetten gewählt, falls dies möglich war.
    Mit der zusätzlichen Fleecedecke war alles kein Problem mehr. Ich konnte mich einmummeln und mein Mann konnte sich die große Decke so zurechtziehen, wie er es benötigte.


t.b.c.

    Mittwoch, 27. Juli 2011

    Schottland 2010, Tag 16 (Ijmuiden - Stuttgart)

    Der letzte Tag unserer Reise begann mit einem leckeren Frühstück an Bord der Fähre. Da wir uns bei der Hinfahrt ja das Frühstück in die Kabine bestellt hatten, mussten wir dieses Mal erst noch suchen, wo der Frühstücksraum war. Zuerst folgten wir ja dem Pulk und reihten uns auch brav in eine lange Schlange ein, um dann erklärt zu bekommen, dass die Commodore-Passagiere ihren eigenen Frühstückraum hätten. Also wieder zurück und eine Etage nach oben ins a la carte Restaurant.

    Mal ein paar grundlegende Tipps für alle, die mal mit der DFDS-Fähre von Ijmuiden nach Newcastle fahren möchten (und vermutlich ist das bei anderen Fährverbindungen auch so):
    - Den Aufpreis für die Commodore-Suite sollte man sich echt gönnen - vor allem, wenn man von Anfang an Urlaub haben möchte. Den De Luxe-Aufschlag kann man sich sparen, wenn man darauf verzichten kann, die Commodore-Lounge zu betreten, die Kabinen sind annähernd gleich, das Frühstück ist auch gleich.
    - Das Abendessen sollte man erst an Bord buchen. Bei schlechtem Wetter will man nichts essen, dann war das Vorbuchen für die Katz'.
    - Wer Wert auf eine gemütliche Restaurant-Atmosphäre legt und nicht im Autobahnraststättenmodus essen möchte, sollte das Buffetrestaurant meiden und lieber einen Tisch in einem der a la Carte Restaurants wählen.


    Gegen 9.30 Uhr kamen wir in Ijmuiden an und starteten gleich in Richtung Süden, da wir auf der Rückfahrt keine weitere Übernachtung eingeplant hatten. Die Autobahnen in den Niederlanden sind übrigens toll! So viele Spuren nebeneinander und niemand drängelt, schneidet oder fährt zu dicht auf.
    Das ändert sich schlagartig, sobald man wieder auf deutschen Straße fährt. Noch dazu standen wir längere Zeit in einem riesigen Stau zwischen Duisburg und Köln. Es dauerte also fast neun Stunden, bis wir endlich zu Hause ankamen.



    4136 km (ohne Fährstrecken, dann würden noch einmal 1200 km dazukommen). Jeder einzige Kilometer hat sich gelohnt, vor allem der Weg in den ganz hohen Norden.
    Mein persönlicher Favorit war Glengorm Castle auf der Isle of Mull, aber es gab unzählige andere Orte, an denen ich jetzt in diesem Augenblick am liebsten wäre. Wir werden ganz sicherlich wieder nach Schottland zurückkehren und Gegenden erkunden, die wir während der Tour 2010 nicht gesehen haben.

    Denn ... wer einmal in Schottland war, wird immer wieder dorthin zurückkehren.


    Allerdings haben wir während dieser Tour noch einmal sehr deutlich eingesehen, dass man sich viel mehr Zeit einplanen sollte. Vor allem die Inseln Mull und Islay haben wir ja nur im Schnelldurchgang gesehen, das war wirklich sehr schade.

    Die nächste Reise nach Großbritannien ist für 2012 geplant, allerdings möchte mein Mann auch einmal England und Wales bereisen. Das hätte auch seinen Charme und ich finde einige Punkte, die ich gerne sehen würde - so aus Jane Austen-Sicht. Zum Beispiel Pemberley (Lyme Park in Cheshire), das Jane Austen Museum in Chawton oder Brighton und Bath.

    Dienstag, 26. Juli 2011

    Schottland 2010, Tag 15 (Loch Lomond - Newcastle)

    Nach dieser etwas unglücklichen Übernachtungsstation verließen wir die Gegend um den Loch Lomond eigentlich recht gerne, als jedoch  Glasgow passiert war und wir auf der Autobahn immer weiter in Richtung Süden fuhren, um Schottland bei Gretna (dort wo früher immer alle hingeflüchtet sind, um beim Schmied heimlich zu heiraten ;-)) zu verlassen, wurde wir schon ganz schön wehmütig.

    Das Wetter passte sich unserer traurigen Stimmung an, es regnete ausgiebig, während wir Meile um Meile zurücklegten. An einem großen Supermarkt hielten wir noch einmal an, um einige britische Lebensmittel einzukaufen, die wir mit nach Hause nehmen wollten. Einige Dosen Tennent's und verschiedene Cider, Shortbread, Chips und ein paar besondere Schokoriegel wanderten in unseren Kofferraum zu den elf Flaschen Whisky.

    Auf dem West-Ost-Querweg nach Newcastle hielten wir dann noch einmal kurz an einer römischen Ausgrabungsstätte am Hadrianswall.




    Wir spazierten auch ein wenig am Wall entlang, hatten aber die Abfahrtszeit der Fähre im Nacken und so machten wir uns recht bald auf den Weg nach Newcastle.













    Dieses Mal klappte das Einchecken problemlos, auch wenn der grüne Ersatzreisepass meines Mannes immer etwas argwöhnisch beäugt wurde. *g*
    Wir hatten nun ja eine "normale" Commodore Kabine und nicht die De Luxe-Variante, weshalb wir das Ablegen nicht in der De Luxe Lounge mitverfolgen durften, sondern ganz normal mit dem "Fußvolk" auf einem der Decks. Die Kabine selbst unterschied sich kaum von der besseren Kategorie. Vielleicht war sie einen halben Quadratmeter kleiner ;-).

    Die Überfahrt war dieses Mal sehr ruhig, wir wurden nicht seekrank und konnten auch unser vorgebuchtes Abendessen zu uns nehmen. Allerdings war das großartig angekündigte Büffet eine kleine Enttäuschung für uns. Das Motto lautete nämlich "Oktoberfest" und anstatt Meeresfrüchte und anderer Köstlichkeiten aus aller Herren Länder gab es Weißwürste, Semmelknödel, Fleischkäse & Co. :rolleyes:

    Im Prinzip ist da ja nichts dagegen zu sagen und nach knapp zwei Wochen "fremdem" Essen könnte man ja schon wieder mit Appetit in die heimische Ware beißen. Aber mal ehrlich, diese Produkte passen einfach nicht auf ein Schiff - vor allem nicht, wenn sie nicht mit Originalzutaten hergestellt werden und die Köche vermutlich noch nie in ihrem Leben im Süden Deutschlands waren (so hat es nämlich geschmeckt). Es hatte auch ein wenig von Autobahnraststätte und war sehr ungemütlich. Das nächste Mal werden wir mit Sicherheit einen Tisch in einem der a la Carte Restaurants buchen.

    Nun denn, satt wurden wir dennoch und nach einem gemütlichen Rundgang setzten wir uns in eine der unzähligen Bars, tranken einen letzten Whisky und beobachteten, wie einige Gäste mit den Weißbiergläsern kämpften und mehr Schaum als Bier im Glas hatten. *g*

    Montag, 25. Juli 2011

    Schottland 2010, Rest von Tag 14 (Loch Lomond)

    Das Hotel (The Inn at Inverbeg) am Loch Lomond war eines, das wir auf einem Buchungsportal vorgebucht hatten. Ich erinnere mich noch daran, dass damals nur dieses Hotel buchbar war, weshalb wir nicht lange herumsuchten und ein Zimmer reservierten. Auf den Bildern sah es ja auch ganz nett aus und die Bewertungen waren auch nicht schlecht.

    Was auf den Bildern jedoch nicht zu sehen war, ist die Tatsache, dass es sich dabei mehr oder weniger um eine "Autobahnraststätte" handelt, die direkt an der Hauptverkehrsstraße liegt. Ein riesiger Parkplatz, voll mit Autos belegt, erwartete uns, als wir das Hotel erreichten. Ganz so groß wirkte das Hotel eigentlich nicht, aber wir entdeckten recht schnell, dass die ganzen Leute, die zu den geparkten Autos gehörten, sich im Restaurant (links) und in der Bar (rechts) aufhielten. Die "Rezeption", die aus einem in die Ecke gequetschtem Schreibtisch bestand, lag direkt im Laufweg dazwischen.

    Der Schreibtisch war verwaist, aber wir stellten uns ordentlich hinter einen bereits wartenden Gast und leisteten ihm bei dieser Tätigkeit Gesellschaft. Hinter uns liefen die Bedienungen mit üppig gefüllten Tabletts hin und her, aus der Bar dröhnte Musik, aus dem Restaurant laute Stimmen, ständig kamen neue Gäste, die noch versuchten, irgendwo einen freien Tisch zu ergattern. Und wir mittendrin mit unserem Köfferchen - müde, hungrig und gereizt.

    Nach zehn Minuten gab der Herr, der vor uns an der Rezeption gewartet hatte, auf und ging zurück in sein Zimmer. Das hätten wir ja auch gerne gemacht, aber wir hatten ja noch keines. Nach zwanzig Minuten versuchte mein Mann eine der Bedienungen auf uns aufmerksam zu machen. Nach dreißig Minuten standen wir immer noch vor der leeren Rezeption. Müde, hungrig und gereizt - in dem Zustand bin ich kurz vor dem Siedepunkt, obwohl ich normalerweise ein sehr geduldiger Mensch bin.

    Nachdem dann inzwischen zwei weitere Paare mit Koffern hinter uns warteten und der Eingangsbereich fast wegen Überfüllung geschlossen werden musste, erschien endlich jemand, der für die Rezeption zuständig war. Hektisch hantierte sie mit den Zimmerchipkarten, händigte uns erst eine aus, nahm diese wieder zurück, musste noch einmal etwas umbuchen, spielte neue Informationen auf eine andere Chipkarte und gab uns endlich den "Zimmerschlüssel". Eine Erklärung, wo das Zimmer sei, gab es nicht. Nur eine wedelnde Handbewegung nach links, also wandten wir uns halt mal in diese Richtung.

    Einmal die Treppe hoch, quer durch das gesamte, sehr langgestreckte Hotel. Eine weiter Treppe hoch, noch einmal einen laaaaaangen Flur entlang, bis wir vor der Zimmertüre mit der richtigen Zimmernummer standen. Puh! Endlich geschafft! Chipkarte in den Türöffnungsmechanismus gesteckt - rotes Licht - Tür ging nicht auf. Chipkarte umgedreht - noch einmal versucht - rotes Licht - Tür ging nicht auf. Boah! *stinksauerwar*

    Also Chipkarte geschnappt, den laaaaangen Flur entlang, eine Treppe runter, den anderen Flur entlang, Treppe runter und zurück zur Rezeption, an der ... niemand saß. Waaaaaaaaaaaaaahh!

    Dafür standen bereits wieder wartende Hotelgäste davor, die von den Bedienungen mit den vollen Tabletts beiseite gescheucht wurden, während die Musik aus der Bar dröhnte und das Gelächter und Stimmengewirr aus dem überfüllten Restaurant eine ohrenbetäubende Geräuschkulisse verursachte. Ich (zur Erinnerung: müde, hungrig, gereizt und langsam stinkestinkesauer) beschloss in diesem Moment auf keinen, aber auf gaaar keinen Fall in diesem Restaurant zu essen.

    Meine Stimmung (vor allem, wenn ich an solch einem gefährlichen Punkt angelangt bin) zeigt sich immer recht deutlich in meiner Miene, sodass der ältere Herr, der als erster wartender Hotelgast in der Schlange stand, mich nach meinem Problem fragte. Wohlgemerkt, ein Gast! Nicht etwa irgendeiner der Angestellten, die in Scharen an uns vorbeiliefen und uns ignorierten. Ich riss mich zusammen, denn der ältere Herr konnte ja ganz gewiss nichts für unsere Lage, und erklärte das Chipkartengedöns woraufhin er mich höflich vorließ, als endlich wieder jemand die Rezeption besetzte (nach weiteren zehn Minuten, in denen weitere Hotelgäste eintrafen und sich in die Schlange stellten, die inzwischen bis zur Eingangstür reichte).

    Wieder wurde die Chipkarte zurückgenommen und eine neue Karte in das Buchungsgerät gesteckt, um die Daten aufzuspielen. Kein einziges Wort der Entschuldigung hörte ich, stattdessen erhielt ich wortlos die Karte zurück in die Hand gedrückt. Übrigens: Ich habe weder gepöbelt noch unangemessene Worte benutzt, als ich die Fehlfunktion erklärte. Allerdings müsste mein Gesichtsausdruck alles gesagt haben. Ich weiß selbst, dass an hektischen Tagen, wenn vielleicht aus unvorhersehbaren Gründen Personal ausgefallen ist, vieles schief gehen kann. Das ist alles irgendwo verständlich und kommt vor. Aber dann nimmt man so einem verärgerten Kunden mit einem einfachen "Sorry" schon viel Luft aus den Segeln. Dann sage ich "No Problem" und der Fall ist erledigt. An diesem Abend war ich aber immer noch auf 180, als ich die Treppe hoch, den langen Flur entlang, die zweite Treppe hoch und den laaaaangen Flur entlang zu unserem Zimmer ging und endlich grünes Licht und eine offene Zimmertür bekam.

    Ich war so stinksauer, dass ich gar keinen Hunger mehr hatte. Stattdessen nahm ich erst einmal ein Vollbad, um mich zu beruhigen. Erst danach konnte ich das Zimmer mit weniger Groll betrachten und fand es eigentlich ganz nett eingerichtet. Die Aussicht war nicht so doll, vom vielgerühmten und vielbesungenen Loch Lomond war nichts zu sehen, dafür hörte man den Glasgower Ausflugsverkehr recht deutlich. Aber der Abend war ohnehin recht kühl, sodass wir die Fenster schlossen.

    Unser späteres Abendessen bestand aus ein paar Keksen und einer Packung Chips, die wir mit zwei Dosen Frustbier hinunterspülten - unserem Notfallset, falls wir auf einer einsamen Insel stranden ;-).

    Das Frühstücksbüffet am nächsten Morgen war dann zwar okay aber wieder waren die Kellner derart lustlos und unaufmerksam, dass das Personal wohl ein größeres Problem dieses Hotels ist. Leider war unsere letzte Übernachtung in Schottland also überschattet von einem überforderten und unmotivierten Hotelpersonal - ein so krasser Gegensatz zu den wunderbaren, höflichen, bemühten und gastfreundlichen Menschen, die uns auf unserer ganzen Reise begegneten, dass wir dieses einfach nur abhakten und schnell vergessen wollten. Als ich das jetzt gerade aufschrieb, hatte ich wieder dieses negative Gefühl im Magen, das ich damals empfunden hatte. Nein, dorthin möchte ich nicht noch einmal und würde dieses Hotel auch niemandem weiterempfehlen (zumindest nicht am Wochenende).

    Schottland 2010, Tag 14 (Isle of Islay - Loch Lomond)

    Nachdem wir also von der Lüftungsanlage im Port Charlotte Hotel geweckt wurden und ein frühes, aber sehr leckeres Full Scottish Breakfast eingenommen haben (wie immer ohne Sausages), brachen wir auf, um in Richtung Fährhafen Port Ellen zu fahren. Von Port Charlotte aus, um die große Bucht herum bis nach Bowmore und von dort auf der Hauptstraße immer weiter in Richtung Osten.

    Diese Straße hatte uns schon auf der Hinfahrt absolut fasziniert, an diesem sonnigen Sonntagmorgen hielten wir einfach mitten auf der Strecke an, um das festzuhalten:






    Meilenlang einfach nur gerade ohne eine einzige Kurve oder Abweichung. Rechts und links davon nur ebene Landschaft. Man fühlt sich völlig im nirgendwo.


    Ein bisschen Zeit hatten wir noch übrig, deshalb besuchten wir noch ein paar Destillerien, die an der Ostküste liegen. Zuerst Laphroig (La-freug):





    Das ist normalerweise nicht so ganz meine Lieblingswhiskysorte. Laphroig und Ardbeg (die Destillerie kommt noch) haben sehr stark jod- und torfhaltige Whiskys im Programm, die echt gewöhnungsbedürftig sind. Auf keinen Fall ein Anfängerwhisky!
    Allerdings hat Laphroig inzwischen auch erkannt, dass es vielleicht nicht schlecht für den Umsatz ist, wenn zumindest in der einen oder anderen Abfüllung etwas weniger kräftig getorft wird ;-). Deshalb kauften wir dort gleich zwei Flaschen - eine "Vollfettstufe" für meinen Mann und eine abgemilderte Version für mich. *g*

    In direkter Nachbarschaft zu Laphroig liegt gleich die nächste Destille, die wir uns jedoch nur kurz von außen ansahen, weil sie Sonntags geschlossen hatten:


    Und wiederum gleich neben Lagavulin liegt die Destillerie von Ardbeg, die zwar auch nicht geöffnet hatten, deren Gelände jedoch nicht umzäunt ist, sodass wir ein wenig herumstreunern konnten.






    Von Ardbeg haben wir einige Flaschen zu Hause, bei denen ich nicht einmal den Geruch des Whiskys ertragen kann. Manche halten diese wirklich heftigen Whiskys jedoch für das Nonplusultra und alle anderen Whiskys für Spülwasser. Geschmäcker sind ja verschieden und es soll von mir aus jeder trinken, was er mag. Was ich jedoch nicht leiden kann, ist das abschätzige Herabschauen auf diejenigen, die es nicht so heftig mögen. Während eines "Whiskyseminars" saß so ein arrogant-überheblicher Whiskytrinker neben mir. Schon sein Ardbeg-T-Shirt hätte mich vorwarnen müssen. Auf jeden Fall laberte der die ganze Zeit nur über den achsotollen Ardbeg und dass nur das der wahre Whisky wäre. Den Rest des Seminars interessierte den gar nicht, mich allerdings schon. Und weil ich eigentlich dem Seminarleiter zuhören wollte und nicht dem Typ neben mir, wagte ich es, ihn darauf hinzuweisen, dass er doch so lange rausgehen könnte, bis sein Thema kommen würde. Natürlich war ich dann die blöde Kuh, die nichts von Whisky versteht und nur Spülwasser trinkt. Nun ja, damit kann ich leben. *g*


    Schließlich fuhren wir dann wieder zurück nach Port Ellen, um im Hafen auf unsere Fähre nach Kennacraig zurück zu warten. Das Wetter war zauberhaft und so schlenderten wir ein bisschen herum, um uns die schönen bunten Fischerboote anzusehen.






    Inzwischen waren wir ja die Fährfahrten geübt und das Abstellen der Alarmanlage am Auto war schon eine Selbstverständlichkeit geworden. Andere haben die Hinweisschilder nicht so beachtet und so trötete stets ein nettes Potpourie an Alarmanlagentönen von der Autoladefläche, sobald die Fähre ablegte. Man stelle sich diesen letzten Blick auf die Hafenanlage von Port Ellen also mit folgendem Hintergrundgeräusch vor:

    Tröt-tröt-tröt - Wiu-Wiu-Wiu-Wiu - Tröt-Wiu-Tröt - Möööp-Möööp-Möööp - Wiumöp-Wiumöp-Wiumöp ... *g*




    Es gab manche Autos, die tatsächlich die ganze Strecke durchhielten und nach kleinen Verschnaufpausen immer wieder loslegten. Zum Glück hatten die wohl eine gut geladene Autobatterie, denn liegen geblieben ist niemand und alle konnten die Fähre in Kennacraig verlassen ;-).

    Wir machten uns nun zu unserer letzten Übernachtungsstation am Loch Lomond auf und mussten uns durch ungewöhnlich viel Verkehr kämpfen. Ganz Glasgow schien den sonnigen Sonntag zu einem kleinen Ausflug genutzt zu haben - ein richtig krasser Unterschied zu den ruhigen und extrem wenig frequentierten Straße auf Islay. Es dauerte also ziemlich lange, bis wir unser Hotel am Loch Lomond erreichten, dementsprechend waren wir ein wenig müde, hungrig und etwas gereizt und wollten nur noch in unser Zimmer. Das erwies sich jedoch als etwas schwierig, doch davon später mehr.

    Freitag, 22. Juli 2011

    Schottland 2010, Tag 13 ( Stonefield - Isle of Islay)

    Zurück nach Schottland ...

    Nach der Nacht im Stonefield Castle mussten wir unser Auto doch tatsächlich von einer Eisschicht befreien! Es war wirklich schweinekalt an diesem frühen Morgen, an dem wir ganz allein im riesigen Speisesaal frühstückten und uns teilweise die Schüsselchen selbst von der Frischhaltefolie befreien mussten. Diese Drängelei war uns regelrecht peinlich, aber wir mussten so früh zur Fähre - womit wir uns bei den Angestellten auch entschuldigten.

    Ganz so eilig hätten wir es gar nicht machen müssen, denn in Kennacraig warteten wir dann noch ein bisschen, bis die Fähre im mystischen Nebel einlief.


    Die Überfahrt dauerte ja etwas länger als die kurze Strecke von Oban bis Mull, also suchten wir uns ein nettes Plätzchen in der Cafeteria, tranken noch einen Becher Tee und sahen zu, wie sich langsam die Sonne durch den Nebel kämpfte - was ihr nur zum Teil gelang.

    Gegen Mittag erreichten wir Islay (manchen Schotten sagen Ailei, andere Eyla), die neben der Speyside zu einem Gebiet mit der größten Dichte an Whiskydestillerien gehört. Wir freuten uns schon auf die Destillerien und steuerten gezielt gleich in Bowmore (der Hauptstadt Islays) die erste Destille an.






    Eine Führung wollten wir ja gar nicht, nur unsere Mitbringselflasche, deshalb gingen wir erst einmal in den Destillerieshop. Woran wir jedoch bei unserer Reiseplanung nicht gedacht hatten: Wir kamen an einem Samstag dort an und die Destillen auf Islay schließen größtenteils am Wochenende!
    Auch Bowmore hatte nur am Samstagvormittag geöffnet und die zwei Damen, die noch im Verkaufsraum saßen, machten gerade nur noch die Abrechnung, um dann endgültig abzuschließen.
    Da ich selbst einmal im Verkauf gearbeitet habe und weiß, wie unangenehm es ist, wenn nach Ladenschluss ein Kunde uuuunbedingt noch etwas haben möchte, verzichteten wir darauf, da jetzt um eine Flasche zu betteln. Die hatten zu und so war es eben.

    Unsere Bowmore-Flasche haben wir dann im Einkaufsladen in Bowmore gekauft, in dem wir uns auch ein Sandwich fürs Mittagessen holten. Bei der Tourist-Info besorgten wir uns dann vorsichtshalber lieber ein paar Faltblätter der Destillerien, in denen auch die Öffnungszeiten standen. Es war ziemlich aussichtslos. Samstagnachmittags hatten noch ein paar wenige geöffnet, am Sonntag nur zwei.

    Also versuchten wir, noch ein paar geöffnete Shops zu erhaschen und klapperten die Destillen ab, um dann gleich die nächste Enttäuschung zu erleben.


    Bunnahabhain (Buna-hab-in)wäre laut Flyer Samstags geöffnet gewesen, aber nicht an diesem Samstag, da war wegen irgendeiner internen Sache geschlossen, was wir natürlich erst auf dem Aushang an der Shoptür lasen. Wirklich schade, denn Bunnahabhain ist der Lieblingswhisky meines Mannes und gerade hier wollte er ein paar Spezialitäten kaufen. Aber immerhin hatte man von der Destillerie einen schönen Blick auf die Insel Jura.



    Nur ein paar Meilen neben Bunnahabhain, liegt die Caol Ila Distillery, die auch tatsächlich geöffnet hatte! Den Beginn der Führung hatten wir um knapp zehn Minuten verpasst, aber das war nicht sonderlich schlimm. Dafür hatte die Shopangestellte genug Zeit, um uns einmal quer durch das Sortiment probieren zu lassen.




    Nachdem wir nun also die Destillen an der Nordostküste besucht hatten, wollten wir uns in Richtung Hotel bewegen. Dazwischen lag noch Bruichladdich (Bru-ik-laddi), das auch noch geöffnet hatte. Allerdings nur noch knapp zehn Minuten weshalb wir nur kurz in den Shop huschten und ohne weitere Probe eine Flasche kauften.





    Wir fuhren zuerst noch an Port Charlotte (wo wir später übernachten würden) vorbei nach Portnahaven um dort an den kleinen Häusern vorbeizuschlendern, die wie eine Perlenkette an den Seiten der tief eingeschnittenen Bucht aufgereiht liegen. Wirklich ein nettes Dörfchen!



    Am späteren Nachmittag bezogen wir dann unser Zimmer im Port Charlotte Hotel, was wirklich ein sehr nettes kleines Hotel mit einem hervorragenden Restaurant ist. Auch die Bar ist  richtig gemütlich und wird viel von den Einheimischen besucht. Ab und zu gibt es wohl auch Live-Auftritte dort, doch leider nicht während unseres Aufenthaltes.


    Vor dem Dinner darf man erst einmal einen Aperitif in der gemütlichen, einem Wohnzimmer ähnlichen Kaminhalle einnehmen und sich in aller Ruhe die Speisekarte ansehen. Nach uns setzten sich einige andere Paare in den tiefen Sofas, die dem Akzent nach wohl aus den USA kamen. Alle hatten niedliche kleine Cocktails oder Sherrygläser vor sich, sodass wir uns mit unseren Biergläsern richtig prollig vorkamen.

    Der Oberkellner, ein richtig bäriger Mann mit feistem, rotwangigem Gesicht, dem man den Genuss guter Speisen ansah, fragte uns bei der Bestellung, ob wir zum essen einen Wein trinken wollten. Mir war aber überhaupt nicht nach Wein und auch mein Mann schüttelte den Kopf, sodass ich mit einem frechen Lächeln erklärte: "Wir sind Deutsche, wir trinken Bier!" Alle lachten amüsiert und der Oberkellner stimmte mir zu, dass das wohl wirklich so stimmen würde (wir trinken auch gerne mal ein Glas Wein zum Essen und kommen hier ja auch aus einer Weinbaugegegend, aber da hat das einfach so gepasst ;-)).

    Am Anfang unserer Reise hätte ich wohl nur mit hochrotem Kopf und verhuschter Stimme dankend den Wein abgelehnt, inzwischen hatte ich das englische Reden aber so intus, dass ich sogar öffentliche Scherze machen konnte. Das war echt schön!

    Das Essen war auch mit Bierbegleitung hervorragend und das Zimmer war zwar klein, aber komfortabel. Gestört hat nur, dass wir am nächsten Morgen keinen Wecker brauchten. Stattdessen übernahm die Lüftungsanlage des Restaurants (in dem wohl schon Eier und Speck gebraten wurden) diese Aufgabe. Direkt an unserer Zimmerwand entlang wurde mit einem Turbinengebläse die Abluft durchgesaugt. Ein startender Düsenjet war Pillepalle dagegen! Also sind wir halt ein wenig früher aufgestanden ;-)

    Aber wir wollten ja ohnehin noch ein paar Destillerien ansehen, bevor wir am späten Vormittag wieder auf die Fähre mussten. Aber davon später mehr ...

    Mittwoch, 6. Juli 2011

    Schottland 2010, Tag 12 (Isle of Mull - Stonefield)

    Ein wunderschön sonniger Tag wartete auf uns, als wir nach dem sehr leckeren Frühstück Glengorm Castle verließen. Hier hätte ich gerne ein paar weitere Nächte verbracht, aber ich tröstete mich damit, dass ja auch die nächste Übernachtung in einem Schloss stattfinden würde.


    Dennoch warfen wir einen eher wehmütigen Blick auf Glengorm zurück, ehe wir über den Fünf-Meilen-Zufahrtsweg wieder zurück in Richtung Tobermory fuhren.

    Allerdings wollten wir nicht die gleiche Strecke zurück zur Fähre nach Craignure fahren und so wandten wir uns an der Wegkreuzung nicht nach links in Richtung Tobermory sondern nach rechts, um den nordwestlichen Zipfel der Insel zu umrunden.

    Schottische Landschaften sind eigentlich immer schön. Mit einer kleinen Prise Sonnenschein werden sie aber regelrecht atemberaubend. Ständig mussten wir anhalten, um die Gegend zu bestaunen und zu versuchen, das Gesehene auf die Speicherkarte zu bringen. Hier eine kleine Auswahl:










    Eine besonders schöne Stelle war die Calgary Bay, eine Bucht mit ganz feinem, hellen Sand. Wir waren mal wieder ganz allein dort, obwohl direkt daneben ein Campingplatz liegt, auf dem wildes Campen erlaubt ist.





    Und natürlich begegneten uns auch ein paar "Einheimische" ;-)




    Nach den knapp dreißig Meilen, die um den nordwestlichen Zipfel der Insel führten, war der ganze Vormittag schon vorbei. Man fährt eben doch sehr langsam auf Schottlands Hinterlandstraßen - vor allem, wenn man an jeder zweiten Kehre anhält, um einfach nur mit einem debilen Grinsen auf dem Gesicht herumzustehen und in die Gegend zu starren.

    Da unsere vorgebuchte Fähre um 14.00 Uhr abfuhr und wir danach noch knapp fünfzig Meilen bis zum nächsten Hotel vor uns hatten, wollten wir schon mal in Richtung Craignure fahren, um rechtzeitig dort zu sein. Allerdings waren wir dann doch etwas zu reichlich vor der Ablegezeit dort, denn auf den Auffahrrampen sammelten sich noch die Fahrzeuge der vorher ablegenden Fähre.

    Also fuhren wir noch ein bisschen weiter, folgten einem Hinweisschild und landeten bei Torosay Castle, das wir noch kurz besichtigten und durch die Gartenanlage schlenderten.



    Als wir dann das nächste Mal nach Craignure kamen, war der Platz zum Einchecken für unsere Fähre frei und wir stellten uns brav in die Reihe. Nach der herrlichen Überfahrt brachen wir in Richtung Süden auf und erlebten zum ersten Mal so etwas ähnliches wie Stau!

    Es war Samstag und halb Schottland schien auf der Straße unterwegs zu sein. Eine richtig ungewohnte Situation, vor allem wenn man den Vormittag noch auf der geruhsamen und menschenleeren Isle of Mull verbracht hat. Schließlich erreichten wir jedoch unsere nächste Übernachtsstation, das Schlosshotel "Stonefield Castle".





    Hätte dieses Hotel am Anfang unserer Reiseroute gelegen, wäre mein Urteil darüber sicherlich positiver ausgefallen. Nach der grandiosen Übernachtung in Glengorm Castle, war Stonefield jedoch eine Enttäuschung. Das mag vor allem darauf zurückzuführen sein, dass wir nicht im Schloss selbst sondern in einem Anbau untergebracht waren und das Zimmer mitnichten wie ein Schlosszimmer aussah - vielmehr wie ein stinknormales Hotelzimmer einer mittleren Kategorie (obwohl der Zimmerpreis auch gesalzen war).

    Natürlich aß man Abends im Speisesaal des Castles und man konnte gemütlich ein Glas Whisky in der Kaminbar trinken. Aber auch das wirkte eben "nur" wie ein Hotel und besaß nicht so ganz diesen Schlossflair, den ich mir bei der Buchung erhofft hatte. Und selbst der kleine Schlossanteil verflog wie eine zerplatzende Seifenblase, wenn man wieder in den schmalen Hotelflur des Anbaus zurückkam und das Zimmer betrat.
    Nee, also das war nichts. Hier würde ich nicht noch einmal übernachten wollen. *michzurücknachGlengormsehnte*

    Dienstag, 5. Juli 2011

    Schottland 2010, immer noch Tag 11 (Isle of Mull)

    Als feststand, dass wir heiraten würden, haben wir für einen kleinen Moment mit dem Gedanken gespielt, das in Schottland zu tun. Bei einem Reiseanbieter, der sich auf Hochzeiten im Ausland spezialisiert hat, ließen wir uns zwei Angebote erstellen. Eines davon wirklich hochfatzenobel in Inverlochy Castle (bei Fort William) und eines davon (etwas einfacher und günstiger, aber wirklich nur geringfügig) in Glengorm Castle, einem Schloss-B&B.





    Da jedoch auch die "Wir-heiraten-in Schottland-3-Tage-Sparversion" pro Person knapp 3000 Euro kosten sollte, entschlossen wir uns letztlich doch dazu, ganz normal im örtlichen Standesamt zu heiraten und die knapp 6000 Euro für einen richtig großen Schottlandurlaub zu verwenden.

    Allerdings wollte ich wenigstens eine Nacht in einem Schloss verbringen und da mir Glengorm Castle auf den Bildern sehr gefallen hatte und wir ohnehin ein Zimmer auf der Isle of Mull brauchten, buchten wir dort eine Übernachtung.

    Als wir dort ankamen, wurden wir so herzlich und freundlich von einer Mitarbeiterin begrüßt, dass wir uns vom ersten Moment an wohl fühlten. Zuerst bekamen wir eine kleine Schlossführung und sie zeigte uns die unteren Räume, das mache ich jetzt mal auch.


    Das ist die untere Kaminhalle, die man betritt, nachdem man das Schloss durch das schwere Eingangsportal betreten hat und den Durchgang mit dem halben Dutzend herumstehenden Gummistiefeln und den Barbourwachsjacken passiert hat.


    Das ist der offene Kamin, in dem ständig ein wärmendes Feuerchen prasselte. In dem rosafarbenen Sessel links vom Kamin saß ich am Abend mit einem Glas Whisky in der Hand, während der Schlossherr (in kariertem Hemd und Cordhose) persönlich Holz nachlegte und ein bisschen Smalltalk mit mir führte.

    Als nächstes zeigte man uns die Bibliothek, wo wir später zwar unsere Whiskygläser füllten, aber nicht bleiben wollten, weil da gerade eine größere Männergruppe herumwuselte (die jedoch in einem der Ferienhäuser und nicht im Schloss übernachteten).


    Die Whiskyflaschen, die da links auf dem Regal stehen (und noch ein paar mehr Flaschen, die gerade nicht im Bild sind) waren übrigens zu freien Verfügung. Jeder durfte sich einschenken, so viel er wollte - und dennoch waren die Flaschen auch nach dem Besuch der Männergruppe noch reichlich gefüllt.

    Zum Schluss zeigte man uns noch den Frühstücksraum mit einer langgestreckten Tafel. Der Tisch soll übrigens mehrere hundert Jahre auf dem Buckel haben.



    An diesem "Sahnestückchen" im Erker mit einer grandiosen Aussicht auf den Atlantik konnten wir leider nicht sitzen, weil andere einen Tick schneller waren. Das war aber nicht weiter schlimm, es gab noch einen anderen kleineren Tisch (im oberen Bild ganz links oben zu sehen), sodass wir auch ganz für uns sein konnten.


    Schließlich ging es dann über die große Schlosstreppe in die oberen Gemächer. Es werden nur fünf Zimmer vermietet und wir hatten eines der beiden größeren gebucht, das den Namen "Mingary" trägt.

    Ehe wir allerdings das Zimmer betraten, erklärte uns die Schlossangestellte, dass es keinen Zimmerschlüssel geben würde. Das brauche man hier nicht, niemand würde abschließen und es wäre noch nie etwas weggekommen oder sonstwie passiert. Natürlich gab es eine Verriegelungsmöglichkeit von innen, die wir während der Nacht auch schlossen.

    Nun also betraten wir das Zimmer, das so typisch britisch eingerichtet war, dass es gleichzeitig gemütlich und  herrlich kitschig war. Niemals im Leben würde ich bei uns zu Hause ein Zimmer mit pinkfarbenem Teppich auslegen und die Wände rosa streichen, aber hier hat es mir gefallen.









    Kommen wir nun noch zum Badezimmer, das ebenfalls so typisch viktorianisch britisch war, dass man sich sofort in eine andere Zeit versetzt fühlte.



    Der Mingary-Room hat keine Dusche, sodass wir ein Bad in der tiefen Badewanne nehmen mussten. Dabei habe ich mich ein bisschen doof angestellt.  ;-)
    Da war also der Abfluss, der aus einer Kuhle mit mehreren kleinen Löchern bestand. Auf dem Wannenrand lag eine flache, runde Metallschale. Also nahm ich an, dass man die Metallschale umgedreht auf die Abflusslöcher legt und dann das Wasser einlässt. Es hat funktioniert, wenn auch immer ein bisschen Wasser abgeflossen ist. Ich dachte halt, dass da eigentlich noch eine Dichtung drumrum gehört und die inzwischen abgefallen ist.
    Mein Mann erklärte mir dann später lachend, dass der Knubbel zwischen den zwei Wasserhähnen der Verschlussmechanismus ist. Man musste irgendwie drehen und ziehen (oder drücken?), dann blieb das Wasser in der Wanne. Das Blechdings, das ich verwendet hatte, war eine Seifenschale. *schäm*

    Das passierte allerdings erst am nächsten Morgen, zuerst einmal richteten wir uns häuslich ein und unternahmen einen Spaziergang auf den Ländereien des Schlosses. Hier ist der Himmel noch verhangen und wolkig, doch nicht mehr lange - aber dazu später mehr.


    Beim Spaziergang hatten wir uns genug Appetit für das Abendessen angelaufen und so machten wir es uns in unserem Zimmer gemütlich und verspeisten unsere Einkäufe. Wenn wir sonst auf dem Zimmer gegessen haben (was ab und zu vorkommt, wenn wir bereits Mittags irgendwo essen waren und Abends keinen großen Hunger mehr hatten) , benutzten wir immer die Untertellerchen der Tea Making Facilities und unser mitgebrachtes Taschenmesser. Dieses Mal hatte uns die wirklich sehr nette Angestellte des Hauses ein Tablett mit Tellern, Besteck, Gläsern und Stoffservietten aufs Zimmer gebracht, sodass wir wirklich königlich speisten.

    Noch besser war allerdings der absolut fantastische Ausblick nach unserem Abendmahl. Die Wolken hatten sich verzogen und wir konnten zusehen, wie die Sonne erst noch einmal alles in ein warmes Licht tauchte, bevor sie am Horizont verschwand und die restlichen Wolken in ein zartes Rosa verfärbte.


    Das war der direkte Ausblick aus unserem Zimmer. Wir haben extra das kleine Sofa zum Fenster hin gedreht, um einfach nur dort zu sitzen und das zu genießen.






    Auch der seitliche Blick aus dem Badezimmerfenster war nicht zu verachten, vor allem etwas später, als die Sonne komplett versunken war.









    Mit dieser Aussicht, die sich langsam in einen, mit funkelnden Sternen übersäten, Nachhimmel verwandelte, gingen wir zu Bett und schliefen herrlich und bei absoluter Ruhe bis zum nächsten Morgen.



    Edit:
    Ich schwärme hier in den höchsten Tönen vom Glengorm Castle, weil es für uns wirklich ein wunderschönes Erlebnis war. Irgendwie hat alles gepasst und wir sind mit den richtigen Voraussetzungen dort hingefahren. Natürlich gab es auch ein paar negative Seiten, über die wir jedoch wohlwollend hinweggesehen haben, weil der Rest einfach gepasst hat. Nur zur Vollständigkeit möchte ich aber auch das eine oder andere Negative erwähnen. Nur für den Fall, dass sich jemand nach meinem begeisterten Bericht dazu entschließen sollte, Glengorm Castle zu besuchen.

    Man sollte unbedingt darauf vorbereitet sein, dass es sich um kein hochfeudales Schloss handelt. Es wird oft an Gesellschaften vermietet und die Eingangshalle wird teilweise (der Bereich unter der Treppe) als Getränkelager verwendet.
    Das Mobiliar hat schon sichtbar einige Jahre auf dem Buckel (manche - wie wir - finden das authentisch und charmant, andere stört das). Auch der Teppichfußboden hat seine beste Zeit hinter sich. Die Badezimmerausstattung (vor allem im Mingary Room) IST tatsächlich historisch, man sollte keinen verchromten Einhebelmischer erwarten.

    Es ist kein Hotel sondern definitiv ein B&B, man ist freundlich begrüßter und gern gesehener Gast im Haus einer schottischen Familie, die auch wirklich dort wohnt. Dessen muss man sich bewusst sein, denn es kommt halt vor, dass Spielzeug auf der Rasenfläche liegt und die bereits erwähnten Gummistiefel im Eingangsbereich herumstehen.


    Vielleicht hat es uns aber gerade deswegen so gut gefallen, denn man fühlte sich irgendwie ein bisschen zu Hause. Außerdem fühlte ich mich ständig an Glenbogle aus "Monarch of the Glen" erinnert. Mir war so, als würden Molly, Hector, Archie, Lexie, Golly und Duncan im nächsten Moment um die Ecke kommen.

    Schottland 2010, Tag 11 (Invergarry - Oban - Isle of Mull)

    Während der Tag zuvor völlig aus meinem Gedächtnis verschwunden ist, erinnere ich mich umso besser an diesen und den nächsten - weil sie zu den schönsten der Reise gehörten.

    Von Invergarry fuhren wir zunächst über Fort William und Loch Linnhe nach Oban. Dort waren wir ja bereits 2008 und hatten dort unsere erste Whiskyführung mitgemacht. Damals hatten wir allerdings nicht daran gedacht
    1. Ein Bild der Destillerie zu machen
    2. Eine Sonderabfüllung zu kaufen
    Beides holten wir jetzt nach, weil wir noch ein bisschen Zeit übrig hatten, bis unsere Fähre ablegte.




    Die Destillerie von Oban liegt ja mitten in der Stadt, was wirklich ein ganz besonders Flair hat. Damals wussten wir das gar nicht so zu schätzen, weil es ja unsere erste Destille war. Inzwischen kennen wir ja doch schon einige und können Vergleiche anstellen.



    Oban ist wirklich ein sehr schönes Städtchen, das man auch öfter besuchen kann.









    Schließlich reihten wir uns in der Schlange vor der Fährenauffahrt ein und setzten auf die Isle of Mull über.


    Dort angekommen machten wir uns gleich auf den Weg nach Tobermory, um gleich bei der gleichnamigen  Destillerie hängen zu bleiben und eine Sonderabfüllung zu kaufen ;).







    Berühmter als die Destillerie ist natürlich der Hafen von Tobermory, der mit seinen bunten Häuserfassaden auch wirklich allerliebst aussieht.








    Da wir an diesem Abend in einem B&B übernachten würden, das sehr weit von jedem Restaurant entfernt lag, wollten wir in Tobermory ein paar Kleinigkeiten zum Abendessen kaufen. Ich wusste von einem Beitrag beim Shopblogger, dass in der Kirche der Hafenstraße ein Sparmarkt sein soll. Natürlich wollte ich genau dort einkaufen, doch leider war dieser Supermarkt im sakralen Ambiente wohl doch nicht so lukrativ. Dafür gab es ein paar Häuser weiter einen netten kleinen Laden, in dem wir uns mit allerlei Leckereien eindeckten, um dann zu unserem B&B weiter zu fahren.

    Das etwas andere B&B liegt ungefähr fünf Meilen von Tobermory entfernt, direkt an der Atlanktikküste. Ein schmaler Single-Track führt dorthin, teilweise direkt durch Schaf- und Kuhweiden. Dann lag es schließlich vor uns und weil es dort soooo schön war und ich sehr viele Bilder davon habe, bekommt das ein eigenes Post - es geht gleich weiter!