Sonntag, 10. November 2013

Gestricktes - Teil 5



Bei den nächsten Socken habe ich mich an eine neue Variante der Ferse gewagt. Dafür musste ich allerdings wieder mit dem Bündchen beginnen, was Anfangs ziemlich ungewohnt war.

Das Muster heißt "Jeck" von Regina Satta und ist wunderbar einfach zu stricken. Auch erklärt Frau Satta unglaublich präzise und leicht nachfolgbar. Selbst die mir völlig unbekannte Herzchenferse ist mir auf Anhieb gelungen.

Zu schade nur, dass Frau Satta offenbar noch nie eine Toe-Up-Anleitung erstellt hat. Die Herzchenferse gibt es nämlich auch umgedreht und ich habe sogar das Buch, in dem das beschrieben ist. Das ist aber so verschwurbelt und unverständlich (für mich, andere kapieren das vielleicht), dass ich einen späteren Versuch abbrechen und alles wieder aufribbeln musste.


 Aus dem Rest der Jeckwolle (ein Überraschungswilder von Tausendschön) und der Sockblank-Färbung habe ich diese Restesocke gestrickt.

Und wieder eine Neuerung ausprobiert: Das nachträgliche Einstricken der Ferse.

Das ist wirklich ganz einfach. Man strickt die Socke quasi als Schlauch ohne Ferse komplett fertig. An der Stelle, an der die Ferse später eingefügt werden soll, strickt man einen Kontrastfaden ein. Die Maschen rechts und links dieses Kontrastfadens fädelt man dann später auf zwei Nadeln (bzw. vier - bei einem Nadelspiel) und zieht den Kontrastfaden heraus.

Dann strickt man einfach eine Bandspitze und schließt die letzten Maschen mit dem Maschenstich.

Diese Methode hat den Vorteil, dass man die Ferse auch mit einem anderen Garn stricken kann. Bei der Bumerangferse hat man ja sonst immer die zwei Reihen quer über den Fuß. 
Auch ist es manchmal schöner, wenn die Musterung des Garns nicht durch die Ferse unterbrochen wird. 



Als nächstes habe ich mich dann wieder einmal an einem rein englischen Muster versucht und ein Paar Socken für meinen Mann gestrickt. Das sind die "Simple Skyp Socks" und die Wolle ist meine Walnussblätterfärbung.



Das eigentliche Muster ist sehr einfach, ich habe nur mal wieder die weitere Anleitung ignoriert und habe auf eine Herzchenferse nach Regina Satta zurückgegriffen. Damit kann man die Musterung bis zur Sohle weiterstricken, was mir sehr gut gefällt.




Ein Paar weitere Socken für meinen Mann habe ich einfach nur mit rechten Maschen gestrickt. Das sind Wintersocken, denn ich habe die Wolle doppelt genommen.

Es war Aldi-Wolle, gewickelt auf vier Knäuels a 50 Gramm und ich dachte, dass es nicht nötig sei, erst jeweils zwei Knäuels zusammenzuwickeln.
Direkt nötig war es wirklich nicht, aber es wäre sicherlich einfacher gewesen. 

Da sich die vier Knäuels gerne ineinander verhedderten, habe ich jeweils zwei in Gefrierbeutel gesteckt und mit einer Tütenklammer so geschlossen, dass nur noch eine kleine Öffnung blieb. So konnten die Knäuels in der Tüte herumtanzen und ich hatte kein Kuddelmuddel mehr.



Zur Abwechslung mal keine Socken. Dies ist ein Loop, den ich fast zwei Mal gestrickt habe. Das erste Mal hielt ich mich an die Anleitung und habe die Wolle auch so wie sie vom Knäuel lief, abgestrickt.

Nach ungefähr der Hälfte der Strecke habe ich alles wieder aufgeribbelt, weil es mir nicht gefallen hat. Einerseits, weil ich feststellte, dass ich den Loop nur unter Erstickungsanfällen zweimal um meinen Hals bekommen würde (meine Nadelstärke war zu klein) und andererseits weil mir die Wolle zu dünn erschien.

Also habe ich die Wolle doppelt genommen und die Maschenanzahl erhöht. Dieses Mal habe ich die doppelte Wolle zusammengeknäult. Sie hat sich so sehr dagegen gewehrt, dass ich vielleicht auf sie hören hätte sollen. Letztlich musste ich ein ganzes Stück herausschneiden, denn die Fäden waren einfach unentwirrbar.


Das Ergebnis überzeugt mich nicht wirklich. *seufz*
Obwohl das Muster an sich ganz nett ist und die Wolle wirklich sehr schön weich. Aber eigentlich ist das eine wunderschöne Farbverlaufswolle von 100Farbspiele "Grau liebt Rosa". Das was ich fabriziert habe, ist eine seltsame Melange, die zwar auch von hell auf dunkel wechselt, aber eine doch recht undefinierbare Farbe hat. Außerdem habe ich es mit der Erhöhung der Maschenanzahl zu gut gemeint. Jetzt passt der Loop gleich drei Mal um meinen Hals, was echt nicht sonderlich schön aussieht. *doppelseufz*

Also nochmal aufribbeln? Ich glaube nicht, dass ich die Fäden wieder getrennt bekomme. Das Besondere an der 100Farbspiele-Wolle ist ja, dass sie aus sehr dünnen Einzelfäden besteht, die sich erst beim Stricken "verzwirbelt". Jetzt habe ich also acht Fäden, die in alle Richtungen verdreht sind, das Trennen wäre wohl eine äußerst aufwändige Arbeit. Okay, ich verbuche das halt als Lehrgeld, nicht alles, was ich herumexperimentiere, gelingt halt auch.




Zurück also zu vertrautem Socken-Terrain. Inzwischen habe ich mir ein paar Satta-Bücher gekauft und in einem fand ich das Muster "In den Weinbergen". Wie passend, dass ich von der Drachenwolle einen Strang mit dem Namen "Reben und Ranken" hatte. 



Gleichzeitig bin ich auch auf ein Schalmuster gestoßen, dass mir sehr gefallen hat. Eine Art Zopfmuster, das aber von beiden Seiten genau gleich aussieht (bei normalen Zopfmustern ist immer nur die Vorderseite schön).

Mit der DK-Wolle "Ruby Thursday" von der Wollmeise habe ich den Palindrom-Schal mal angestrickt.


Das Muster ist wirklich sehr einfach und eignet sich wunderbar für Schals. Allerdings habe ich die doppelte Breite genommen (jaha, ich experimentiere weiter ;-)).
Die Farbe der Wolle ist eigentlich nicht wirklich so lila sondern eher weinrot, aber ich musste mit künstlichem Licht knipsen, weil ich inzwischen das Tageslicht nur noch durch mein Bürofenster zu sehen bekomme (wenn ich morgens ins Büro fahre, ist es noch dunkel, wenn ich abends nach Hause fahre, ist es schon dunkel).

Das macht mir nichts aus, aber es ist halt schöner und authentischer die Sachen bei Tageslicht zu fotografieren.


So, jetzt bin ich auf dem Laufenden mit den abgeschlossenen Projekten. Neben dem Palindrom-Schal habe ich auch ein nächstes Nuvem angefangen, das aber wirklich noch in den ersten Runden steckt. 









Mittwoch, 6. November 2013

Gestricktes - Teil 4


Das nächste Färbeexperiment war eine recht aufwändige Knäuelfärbung. Da habe ich ein rundes Knäuel gewickelt und erst einmal in einen Topf mit KoolAid-Lösung gegeben. Nach ein bisschen Einwirkzeit habe ich den äußeren Faden zu einem kleineren Knäuel abgewickelt und in ein zweites Töpfchen mit einer anderen Farbe gelegt. Das Hauptknäuel kam in ein drittes Töpfchen. 

Insgesamt habe ich das in mehreren Schritten gemacht und hatte zum Schluss sechs kleine Knäuels, die alle unterschiedlich gefärbt waren. Teilweise gab das einen schönen, sanften Farbverlauf, manchmal (wie bei der ersten Socke) auch einen harten Wechsel.



Man erkennt das Muster nicht (es ist auch ein schlechtes Bild), aber auf dem Oberfuß sind Querrippen und am Schaft ein Zopfmuster.


Auch einen nächsten Versuch mit Naturfarben habe ich unternommen.



Das sind (von links nach rechts) Holunderbeeren, Walnussblätter und Walnussschalen.

Gewickelt sieht das dann so aus:


Um mal keine Socken zu stricken, suchte ich ein anderes Objekt. Ein richtiges Lace-Tuch mit einem riesigen Chartmuster wollte ich aber auch nicht anfangen. Daran habe ich mich immer noch nicht "getraut", weil es ja bedeutet, Reihe um Reihe konzentriert jede Masche nach Anleitung zu stricken. Nicht, dass ich das nicht inzwischen könnte (ich bin heute noch stolz darauf, dass ich die Strickanleitungsphobie überwunden habe), aber ich stricke meistens Abends vor dem Fernseher und noch dazu nach dem langen Tag vor dem PC. Da bekomme ich meine sieben Sinne gerade noch für ein kleines Sockenmuster zusammen.

Also habe ich begonnen, ein Nuvem nach einer Anleitung von Martina Behm zu stricken. Für den unsichtbaren Anschlag habe ich "Judy's Magic Cast On" richtig gelernt, bislang habe ich für Toe-Up-Sockenspitzen zwar so einen ähnlichen Anschlag gemacht, aber nicht komplett unsichtbar.



Das Nuvem beschäftigte mich eine ganze Weile, aber es ist unglaublich einfach und entspannend zu stricken. Immer nur rechte Maschen im Kreis. In einem völlig verregneten Schwarzwaldurlaub habe ich mich stundenlang damit beschäftigen können. 

Das Ergebnis war ein riesiges, fluffiglockeres Tuch, in das man sich wunderbar einmummeln konnte.

Allerdings ist mir beim Abketten der letzten Maschen eine wild durchs Zimmer galoppierende Winnie über den Schoß gehopst und hat mit ihren Krallen einen langen Faden aus dem Gestrick gezogen.
Das entstandene Loch konnte ich aber einigermaßen wieder zurecht ziehen und wenn man es nicht weiß, sieht man es nicht.

Das Wölkchen (Nuvem heißt Wolke auf portugiesisch) ist inzwischen weitergezogen und wärmt jetzt eine Freundin von mir. Ich habe nämlich festgestellt, dass "Warm Brown" als Farbe nicht zu mir passt.
Sie hat sich sehr darüber gefreut und ich werde mir einfach irgendwann ein neues Nuvem in meinen Farben stricken.



Mory wollte auch mit auf das Bild und hat mich die ganze Zeit angeschnurrt. *g*

Noch etwas unsockiges war das folgende Objekt, ein längsgestreifter Schal für meinen Mann aus einer wunderbar weichen Merinowolle.



Das Endergebnis hat mir (und auch meinem Mann) sehr gefallen, nur mit dem Anschlag bin ich einfach nicht zufrieden. Ich habe ganz nach Anleitung (Drops "Caspian") gearbeitet und das ergibt einen sehr unschönen, seltsam zackigen Rand. Bei der Abnahme habe ich dann versucht, einen ähnlichen Rand hinzubekommen. Jetzt sieht das schon so aus, als wäre das gewollt, mir persönlich gefällt das Detail aber nicht so.

Inzwischen habe ich gelernt, dass es in so einem Fall besser ist, wenn ich das dann sofort noch einmal auftrenne und neu versuche. So etwas nagt nämlich die ganze Zeit an mir, weil ich weiß, dass es besser gehen könnte.


Jetzt hatte ich dann langsam wieder Lust auf Socken bekommen (die kann man ja nie genug haben ;-)). Aus einem weiteren Färbeexperiment habe mich an ein Sockenmuster gewagt, welches es nur in Englisch gab. Der Vorteil an englischen Strickmustern sind die fabelhaften Abkürzungen, mit denen man selbst das aufwändigste Muster kurz und knapp zusammenfassen kann. Im Prinzip ist es wie früher das Vokabeln lernen. Im Internet gibt es wunderbare PDFs auf denen die Bedeutungen und die Abkürzungen übersetzt werden. Man kann sich da schon reinwursteln, selbst wenn die Englischkenntnisse überschaubar sind.

Ich gebe allerdings zu, dass ich mich nicht komplett an die Anleitung gehalten habe. Nur das tatsächliche Muster habe ich mir herausgepickt und selbst ein Strickchart erstellt. In den Weiten des Internets gibt es auch eine Strickmusterschriftart, die man herunterladen und installieren kann, sodass man selbst eine Tabelle mit Strickmustersymbolen erstellen kann.
Zur Not gehen aber auch Symbole, die man sich selbst ausdenkt, wichtig ist ja nur, dass es eine Legende dafür gibt und man die Symbole eindeutig zuordnen kann.

Aber zurück zum Färbexperiment. Ich habe mir einen Strang naturfarbene Sockenwolle in zwei Hälften geteilt und mit doppeltem Faden eine Art Schal gestrickt. Mit sehr dicken Nadeln ging das relativ zügig, angenehmer und schneller geht das natürlich mit einer Strickkurbelmaschine, die ich allerdings nicht besitze.
Den fertigen "Schal" habe ich dann behandelt und gefärbt wie einen ganz normalen Wollestrang. Und warum macht man so einen Aufwand (die Methode nennt man übrigens Sockblank)?



Einerseits, damit man einen langen Farbverlauf färben kann. Und andererseits, um zwei exakt gleich gefärbte Socken stricken zu können.

Man kann nicht nur (wie ich es gemacht habe) die zwei Enden in verschiedene Farben tunken und in der Mitte ineinander verlaufen lassen, sondern ganz wild Farbe auf dem "Schal" verteilen.
Diese Sockblanks kann man sogar schon fertig gefärbt kaufen, da mir das Färben aber so viel Spaß macht, wollte ich das natürlich selbst probieren.

All zu häufig mache ich das aber nicht. Es ist ein unglaublicher Aufwand. Erst strickt man den Schal, dann färbt und trocknet man das Ganze und dann ribbelt man den Schal wieder auf und trennt den doppelt genommenen Faden wieder, sodass man zwei Knäuel bekommt. Manche stricken direkt aus dem Schal, mir war das zu viel geknuddel, es war schon schwierig genug, ohne zu viel Durcheinander die Knäuel herzustellen.


Hier nun also die Socken, die daraus entstanden sind:


Die dunklen Stellen sind keine Schatten sondern eine dunklere Farbe. Sonderlich überragend fand ich dieses Färbeergebnis nicht, aber zumindest ist das Muster (Artichoke in Toe-Up) schön geworden.

Aus der übrig gebliebenen Wolle habe ich später noch eine Restesocke gemacht, aber dazu später.